Vier überraschend schöne Orte

Hidden Farm

Auf einer Farm hab ich mich eingenistet
Bekomme was ich brauch als Lohn, hier aufgelistet:
Unterkunft
Nahrung
Beides unbefristet
Ich habe mein eigenes Reich
Auf einer Empore in einem großen Raum
Schreibtisch, große Matratze, Riesenfenster mit Blick durch einen Baum
Wäre ich ein Scheich
Hätte ich ein Zelt
Gaddafis, das größte und schönste der Welt
Aber bin ja nur ein Rucksackreisender
Ein Niemandweißwer
Arbeite für Mahlzeiten
Stärke mich für die Arbeit
Arbeite für Unterkunft
Ruhe für die Arbeit
Arbeite um der Arbeit Willen

Doch fünf Stunden müssen reichen
Brauch viel Zeit wenn ich in meinem Reich bin
Schreiben und Sinnieren
Sitzen und den Geist stimulieren
Draußen klingt ein Lied
Die Natur gibt 24/7 den Beat
Die Frösche klingen wie ein Banjofestival
Die Vögel hingegen wie ein Affenbandenkriegsscharmützel
Die Kaninchen klingen nach Sex
Die Hunde nach T-Rex
Ich klinge nach gepfiffenen Melodien, die sich wurmhaft durch mein Ohr schrauben
Nach wohligem Schmatzen und tüchtigem Schnauben
Reise um zu Ruhen
Ruhe um weiter zu reisen
Reise um zu finden
Finde um zu reisen
Reise um der Reise Willen

Ende September bis Anfang Oktober - Gisborne, GOR, Adelaide


Murray

Oh Murray, du bist der größte Fluss
Australiens, das mit so wenig Wasser auskommen muss.
Du bist immer fresh, nährst viele Städte,
Alle Anwohner wüssten nicht was sie wären, wenn sie dich nicht hätten,
Bist etwas verbrackt, ziemlich braun,
Man sollte nicht von dir trinken, dafür fließt du fürs Obstanbaun'.
So viel Obst und Wein, es gibt sogar Deutsche, die australischen Shiraz saufen,
Lasset uns Goon in Murray Poppins umtaufen.
River schenkst mir Kühle in der Traufe,
Muss nicht zu den Duschen laufen.
Ja ich chill,
Mit dir Bill,
Du fließt mit Gefühl,
Führst zwar Mengen an Wasser, doch die tun nicht so viel
Die Flüsse in meiner Heimat geben sich mit mehr Getose,
Sind kein Bad für Backpacker, keine Therme für Traumtänzer, keine Aquädukt für Arbeitslose.
Dennoch bist du freier, mehr Tiere und Bäume,
Weniger Promenaden und Zäune.
Na gut, du hast halt deine Bootproleten, doch jeder hat schlechte Angewohnheiten,
Die Besten ziehen Gesindel an, so war das schon in früheren Zeiten.
Gott sei Dank, bist du immer noch so ein Hippie,
Ich wüsste eine Misses für dich, ihr name ist Sippi.
Vielleicht trefft ihr euch ja mal und spielt ein Bisschen Golf im Strom
Oder BP-Ölbohrinselnkollision.
Jedenfalls bist du in meinem Herzen, auch wenn ich dich bald verlasse,
Hätte ohne dich nicht Leben können wie ein Mensch außerhalb jeder Klasse.

18. Januar 2014 - Edchuca

Stanthorpe

Stanthorpe du bist ein Dreckloch in den Bergen,
Doch du musst dich nicht verbergen,
Viele geben als Grunde dein Festival an, aber das ist gelogen,
Alle, die ich kenne sind wegen Arbeit hergezogen.
Du wirst beherrscht von einem Ring, der anstrebt, dass alle ihr Geld in dir verprassen,
Das Harvest Office wirbt für Campingplätze,
Weiß wann jeder Backpacker wo wohnt – 24/7 Mobilfunknetze,
Doch wegen diese „Caring Community“ haben sich hier keine Contracter niedergelassen.
Ich verschleuder meinen Lohn eh im Central Pub,
Sonst geht hier nicht so viel ab, geht bei dir nicht so viel ab,
Außer Gammeln in Girraween oder auf der Rest Area, wo wir seit einem Monat campieren,
Polizisten lieber Zeit in Kaffee und Donuts investieren.
Kaffee umsonst gibt es in deinem zweitwichtigsten Fleck, der Bücherei,
Nebst Strom und Wifi.
Du schenkst mir also alles, ich kann leben wie ein Gypsy,
Aber wirklich was erleben zu können in deinem Schoß ahnte ich anfangs nie.
Jedoch stellte sich heraus, weil du so eng bist wie ein Ehevertrag,
Ist die Backpacker-Dichte so hoch wie vor Byron Bays Dominos am Pizzatag.
So darf ich Scharen von Leuten kennenlernen auf Rastplatz, Straße, vor allem auf der Arbeit,
Die coolsten Backpacker, die ich traf soweit,
Heißt automatisch Hotspot für Feierei und Balz,
Sowie Aktionen der Sorte Kopf unter Hals.
Stan, du gibst mir selbst die Möglichkeit eine Goa zu besuchen,
Nach einigen kläglichen Versuchen
In Köln,
Wo es eh nur schlechtere Orte gibt, jedenfalls keine an Wasserfälln'.
Auch wenn ich dich nur zum Arbeiten besuchte, schenktest du mir mit die intensivste Zeit meiner Odyssee,
Sollte ich füs Second Year zurückkehren, werden wir uns wiedersehen.
Bleib straight und vergiss mich nicht, Torte
Und ärger dich nicht über Franzosen und Italiener, welche immerzu sagen „Stantorpe“.

Mitte April bis Anfang Mai - Brisbane, East Coast Roads, Uluru

 

Outback

Der größte Teil Australiens ist das Outback.
Dieses wiederum besteht zum größten Teil aus Dreck,
Ein bisschen Vegetation, viele Steine.
Große Städte gibt es keine,
Na vielleicht eine.
Who the fuck is Alice?
Springs nicht so richtig, wenn der wichtigste Ort die Shell is'.
Ja viele bemängeln im Outback würdes ja nichts geben,
Ich frage gern zurück: Wo sonst kann man das Nichts erleben,
Die Ohren vom urbanen Lärm kurieren,
Die Augen am flimmernden Horizont verlieren,
Wo sonst kann man wirklich wirklich wirklich einsam sein,
Erkennen wie hell Mond und Sterne wirklich schein',
So schnell heizen wie man will,
Zeit nutzen, sie wie man es sonst nie schafft vertreiben,
Frei ohne Facebook, Handy, allem chilln',
Wandern, erkunden, denken, schreiben?
Ich hatte genug Suff, genug Kultur,
Genug Metropolenflair, genug feiern rund um die Uhr,
Genug Arbeit, genug vom Baden im Meer,
Genug Shopping, genug vom Leute kennenlern'.
Das Nichts erleben,
Bedeutet nicht nichts erleben.
Nichts kann dir so viel geben,
Mehr als ewiges Spaßbestreben.
Nichts tun im Nichts, ist wie alles machen in der Stadt,
Sich der Umgebung anpassen ist leichter als gedacht,
Muss man nichts für tun im Nichts.
Selbst für das Schreiben eines Gedichts,
Braucht man keinen Goon, nicht einmal Gedanken zu vernichten.
Die Ruhe ist so mächtig hier, Anstrengung – mit Nichten.

6. Mai 2014 – Tag am Uluru 

 

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