Carbon Ikarus

 Wendepunkt!

Die Zeit der Wiedersehen ist gekommen.
Die Zeit der Feierei.
Die Zeit der Schlaflosigkeit.
Die neue Backpackerwelle.
Der Punkt, an dem die Zeit beginnt zu rasen.
Der Punkt an dem wir die alten Hasen sind.

Es geht voran! Es geht voran!
Wir stiegen ins Auto, drehten die Musik auf, traten aufs Gas und als uns das Freiheitsfeeling gerade so richtig gepackt hatte, waren wir auch schon am nächsten Ziel der Reise angekommen; Hidden Farm Reprise, gleich um die Ecke.
Auf unsere allerliebste WWOOFingundmehr-Farm luden uns Richard und Sally nämlich ein, ein paar Tage als Gäste zu bleiben, damit wir von unseren Abenteuern berichten, Leon seine Fotos präsentieren, wir ausführlich chatten können.
Zu diesem Anlass backten, buken, beckten, bieken...haben wir sogar einen Kuchen gebackt. Mit diesem Vanille-Sckoko-Nutella-Kuchen, auf den wir immer noch unendlich stolz sind und überzeugt, dass er sich auch in Nutelladdictdeutschland durchsetzen wird, im Schlepptau begrüßten wir einen erfreuten Richard, sowie zwei springende Hunde, wenig später die heimgekehrte Frau des Hauses.
Es fühlte sich tatsächlich noch mehr, als erwartet an wie eine Heimkehr. Der spezielle Hidden Farm Geruch sorgte, wie dieser emotionalverknüpftete aller Sinne es eben kann, für ein heftiges Flashback, zu dem die klassischen Ernährungselemente hier, Rindfleisch, Crumpets, Salat nach Art des Hauses und Müsli mit 1000 Nüssen, Kernen, Früchten drin, ihr Übriges taten. Des Weiteren hatte sich das alte Schulhaus nicht verändert. Wie automatisch nahmen wir unsere alten Betten in Beschlag, redeten beflügelt bis spät in die Nacht (für unsere Verhältnisse) und fielen in festen Schlaf. Als ich nach acht Stunden wieder erwachte, kam es mir so vor, als hätte ich nie irgendwo anders genächtigt, Leon ging es nach elf Stunden Schlaf ähnlich.
Unter großem Bedauern aller, Richards Tropenkrankheit, wegen der die Farm allerdings erst WWOOF beitrat, geschuldet, mussten wir unerwartet bereits am Mittag des dritten Tages aufbrechen.
Dennoch blieb uns genügend Zeit uns zu unterhalten, unser gepflanztes Werk zu begutachten, viel zu entspannen, auf ein paar Bäume zu klettern, was man eben so tun muss.
Auch bekamen wir zu größtem Vergnügen unsere Tage angerechnet und haben somit unser Second Year Visa mit 96 Tagen in der Tasche; fast keine Ziele mehr, Zeit sich selbst zu verlieren.

Wie wir es mittlerweile schon fast gewohnt sind, spielte uns der bedauernswerte Umstand in die Hände. Unseren gewonnen Tag konnten wir nämlich nutzen, um ein letztes Mal Melbourne zu besuchen, unseren Fruitpickingscheck endlich teilweise in Bier umzusetzen und schließlich des Abends spontan Valle, Leon, Anna und Jule, allesamt Mitabiturienten des NCGs, an einer Raststätte im Nirgendwo zu treffen.
Die Szene war unglaublich skurril: Ein gespenstischer, viel zu großer 24/7 Hungry Jacks auf beiden Seiten des Highways identisch, auf dem Parkplatz drei Backpackerautoikonen, unser Magna, ein Ford Falcon, ein Holden Commodore. Zwei Gestalten stoßen zu einer Vierergruppe, begrüßen sich, als sei es die normalste Situation der Welt, wie Schulalltag. Man isst und trinkt gemeinsam, tauscht Geschichten aus, trotzt dem schlimmsten bis dato erlebten australischen Regen. Am nächsten Morgen schaut man noch ein wenig Fernsehen, trinkt Kaffee im „hungrigen Jakobus“ (O-Ton: Leon Woermann), macht schon mal ein paar Partypläne für Daheim und verabschiedet sich.
Alles ganz normal eben.
Als mir zuletzt Leon H. seine Gitarre zum Kauf anbot, um sein völlig überfülltes Auto ein wenig von Gerümpel zu befreien, poppte umgehend die Frage in meinem Kopf auf, warum ich eigentlich nicht vorher darauf gekommen war, mir ein so stark vermisstes Instrument zuzulegen. Jedenfalls fliegt seitdem also so ein Wirfuckenleonwoermannabwerkzeug durch unsere vier Wände, fünf Türen.
Eine weitere glückliche Folge unseres frühzeitigen Aufbruchs war ein gewonnener Reisetag für die 800km Strecke von Melbourne ins vermeintlich benachbarte Sydney. Der Plan, die Strecke straight an einem Tag zu fahren, scheiterte aufgrund von Baustellen, wunderschönen aber langsamen „Highway“-Serpentinen durch Urwald und okay okay okay vielleicht auch, weil wir bis 12 Uhr vor dem Raststättenfernseher gammelten. Ja wir schafften es nicht einmal nach Canberra, sondern nächtigten ein letztes Mal im Nirgendwo, um im Morgengrauen in Richtung des schlagenden Herzens des Kontinents zu starten. Dieses sollte uns bereits um 11 Uhr morgens willkommen heißen, nicht, wie geplant, spät abends, sodass wir einen vollen Tag gewannen, welcher, retrospektiv betrachtet, auch bitter nötig war.
Erste Handlung war das Einchecken ins Hostel, nach zwei Monaten schon fast exotisch, welches wir vor allem wegen des Carparks gebucht hatten. Während das Hostel ca. 150 Menschen beherbergte, fasste besagter Parkplatz logischerweise fünf (ja, richtig: 5) Autos, war dauerhaft dicht. Uns blieb also nichts anderes übrig, als unser Gefährt drei Blocks weiter zu parken. Gratis Parken in Sydney? - Ja das hört sich verdächtig an, war es auch. Sagen wir so, im Crackviertel hat halt niemand das übrige Kleingeld fürs Parken...





Ich werde die Ereignisse in Sydney gerafft darstellen, damit ihr ein wenig in den Insomnia-Vibe geratet, dem wir unmittelbar verfielen. Noch nie fühlte ich mich von einer Stadt dermaßen aufgesogen wie von Australiens Metropole. Nicht von Brüssel, nicht von Dublin, London, Paris, Barcelona, ja nicht mal von Bergisch Gladbach.

Es sei noch zu sagen, dass wir jede Nacht im Schnitt ca. 5 Stunden Schlaf fanden und pro 24 Stunden Wachsein maximal drei Mahlzeiten, Mittag nie vor 20 Uhr. Für Nahrungsaufnahme blieb schlichtweg keine Zeit, habe zwischenzeitlich gefühlt drei Kilo abgenommen. Auch der Konsum von Alkohol scheiterte an Zeit-, wohl auch Lustmangel. Ebenso ein Novum, vermutlich wirklich nötig, waren getrennte Unternehmungen der beiden Reisenden (s.u. „/“). Also:

Ankommen, Zimmer beziehen // ganztägige Stadterkundung // 1000 Flashbacks: gleicher Obdachlose vor unserem Ex-Hotel, gleiches „One Way Jesus“ - Banner im Fenster nahe der Habour Bridge, der „ranzige“ Chinesenmarkt wird dieses mal gefeiert, gleiche Orte allgemein // Treffen mit Leon War und Markus (beide aus Odenthal) zum Feiern in der Chinese Laundry // fünf Stunden pausenlos zu DnB, Dubstep, gutem Trap tanzen // nicht mehr laufen könnend nach Hause laufen // Schläfchen // Brekki // Weiter die Stadt erlaufen // Messe in der Hillsong-Church beiwohnen/Im Park gammeln // „Mittag“ // vierstündige Nachtwanderung // Schlaf // Organisation sämtlicher bevorstehender Pläne/“Instagram-Date“ (auch dieser Begriff ab jetzt feststehend. Für unsere Altersgenossen wohl ganz gewöhnlich, während ein zehn Jahre älterer Kiwi sich drei Tage lang nicht mehr einbekam) // „Mittag“ // 8 Stunden bei zwei Bekannten in der Wohnung chillen mit gepflegter Konversation // Ausschlafen/90min schlafen wegen erneutem Instagram-Date // Besuch des Museums of Contemporary Art // „The Rocks“ erkunden // „Mittag“ // Powernap // Adrian aus Adelaide wiedersehen und auf der Dachterasse seines Hostels chillen // eintrittsfreie Reagge-Party im Civic Hotel // Augen schließen, Leon in einer Ecke des Clubs, dann verfrüht im Hostel, Ich gehörig später nach einer nächtlichen Odyssee, wie Verabschiedung Adrians // Strandtag // „Mittag“ // Hostelbekanntschaften verabschieden/Instagoodbye // Erneut zu wenig schlafen // Auto umräumen und Rideshare einsammeln // 800km fahren.

EASY



Übrigens war Sydney einerseits gesäumt von verstörend-großen Flughunden, welche zu Hunderten über der in Dämmerlicht getauchte Stadt kreisten und lärmten, andererseits von Gays, denn der Sydney Gay Mardi Gras stand kurz bevor, allerdings nicht kurz genug für unseren an das Future Music Brisbane geketteten Zeitplan. Wirklich, gegen das vorgefundene Flair wirkt Köln geradezu prüde.

Nachdem wir im wunderschönen, mit ausschließlich hübschen, jungen Menschen gecrowdeten Byron Bay eine weitere Person dieser Art hinterließen, unsere kurzzeitige Mitreisende, eine Mittzwanziger Krankenschwester aus Hamburg inklusive solider Musiksammlung auf dem Handy, und uns fest vornahmen wiederzukehren, erreichten wir Bribane nach dem besten Schlaf, welcher mir bis dato vergönnt war und weiteren 200km am frühen Morgen (11 Uhr).
Erneut wurden wir innerhalb eines Wimpernschlags eingesogen. Dieses Mal allerdings nicht in den Jungle der Stadt, sondern in die Sphären des Hostels.
Glauben können wir es immer noch nicht so richtig, was das GoNow Brisbane so alles bot für 18$ pro Nacht. In diesem günstigsten Obolus, der uns je unterkam, waren inbegriffen:
Schnelles Wifi, Frühstück, Carpark, Reis, Tee & Gewürze, Waschpulver, Klimaanlage, Schließfächer...weiß der Henker, was ich jetzt noch vergesse. Die Duschen waren frisch renoviert. Hinzukam, dass und alle Mitbewohner (bunte Mischung mit 70% Taiwanesenanteil; sehr wenige Deutsche) sich durch Freundlichkeit auszeichneten. Andauernd lud man mich zu diversen Speisen ein.
Derweil hat sich in Sachen Kochkunst bei den Swagpackern auch so einiges getan. Nicht, dass wir besonders viele neue technische Skills erworben hätten, wenn man von vielen, vor allem asiatischen Einflüssen absieht, nur können wir YumYum und Ähnliches einfach absolut nicht mehr sehen, sodass es jetzt immer Reispfanne Deluxe oder Pasta Guckt Wie Es Glänzt, manchmal auch Kartoffeln Jung Brutal Gutaussehend gibt, mit viel Veggies. Eine Weile lang stand, hauptsächlich aus Geiz, wirklich zu wenig Gemüse auf unserem Speiseplan. Damit ist nun endgültig Schluss!
Diese positive Umstellung, welche sich, gestreckt mit WWOOFing, erschreckend spät einstellte, tritt dennoch zur perfekten Zeit in Erscheinung, um massenhaft Komplimente, Futterneid, Blickgeficke einzuheimsen. Der Tage strömt nämlich die neue Welle Backpacker, nach Ausbildung oder Semester, Richtung Down Under.
Es ist also so weit, wir sind die alten Hasen, Veteranen, die so viele Geschichten erzählen können, so viele Tipps parat haben, sich gar nicht mehr um Konversationen bemühen müssen, sondern angesprochen werden. Man muss uns das lange Reisen also auch ansehen können...irgendwie.

Brisbane also, nunja von der Stadt haben wir nicht sonderlich viel mitbekommen, verließen wir in den ersten beiden Tagen doch recht selten das Hostel, welches das schnelle Wifi offerierte. Außerdem mussten wir uns ja schonen, um auf der Höhe zu sein für das winkende Future Music Festival. So besuchte man also im Schonmodus die entzückende GOMA (Gallery of modern arts), die mit ihrer Flux Art Etage Sydneys und sogar Melbournes aus dem Rennen um  Erquickung warf. Dafür wirkte die normale Art Gallery eher spährlich. Des Weiteren betraten wir sehr häufig die beiden Hungry Jacks des CBDs und lauschten ein wenig public Live-Music. 

Schließlich war der Tag gekommen, den wir seit vier Monaten mehr als alles andere ersehnten. Unser einziger fester Plan der Reise sollte endlich durchstarten. Die Vorfreude war von purster Qualität, vor allem nachdem es noch ein leichtes Geraffel mit Ticketmaster, der australischen Post, Service Hotlines, Vouchern etc. etc. gab. Hier muss angemerkt werden, dass der Service von eben genanntem Ticketliferanten äußerst hilfreich ist, wir, wie so häufig hier, ins Fluchen über Servicewüste Deutschland gerieten. Wie dem auch sei, 1. März, da sind wir...viel zu früh. 
Während man bei deutschen Festivals einen Tag, bei Konzerten der Größenordnung 30.000 mehrere Stunden vorher da sein sollte, läuft das hier alles ein wenig gechillter. Als wir zwei Stunden vor Einlass die Schlange suchten, konnten wir noch ungehindert, wir verirrten uns, hinter der Main Stage herlaufen, waren unter den ersten 20 Besuchern, von denen die Hälfte natürlich deutsch war.

Es ist ziemllich schwer diesen Tag zu beschreiben, dennoch werde ich es versuchen, will euch nicht noch ein Kurzformgetümmel unterjubeln.

Zu Beginn floppte Matin Garrix erst einmal gehörig, sodass wir nach 30mins (viel zu spät) zur Outdoor Ravestage "Cucoon" wechselten und uns dort mit vier anderen Begeisterten eintanzten, bis wir ins Haunted House wechselten, wo uns die letzten Klänge von I see Monstas schon einmal auf Adventure Club einstimmten. Letzgenannte waren ein erstes Highlight. Wir feierten in herrlicher Gesellschaft von ein paar Druppies und ließen uns von "Gold" in eine erste Ekstase reißen. 
Daraufhin mussten wir schweren Herzens Netsky links liegen lassen, um Dada Life sehen zu können. Leons zweifach gefailter Traum das Schweden-Duo live genießen zu können, ging also endlich in Erfüllung. Das Set kam uns zweiminutenlang vor. Zwei Minuten voller Konfetti, Springen, Grölen und Pogo. Jawohl, jawohl, jawohl, finally konnte der leidende Mosh-Junky Gläser seinen Tank mal wieder ein wenig auffüllen, seinen Turkey, der durch gelegentliches Springen gegen Wände, Bäume, Mitreisenden, Grundanspannung, Zerstörungslust deutlich wird, loswerden. 
Schnurstracks ging es zurück in die Indoorstage um noch die Top Drei Netskys mitzuerleben. Wir rannten, ja flogen gerade rechtzeitig zu "Puppy" ein.




Die Folge dieses Pensums war hauptsächlich bei Herrn Woermann, wie schon in Sydney, fast komplette Erschöpfung, da Drum and Base für ihn eine unbekannte Insel war, welche erst durch meinen Einfluss betretbar wurde, seine Beine noch nicht an den Beat gewöhnt sind.
An einer Mauer entlang taumelnd sammelte er mitfühlende DerarmehatwohlschlechtesEerwischt-Schulterklopfer und Rufe. Natürlich haben wir nicht geschmissen, liebe Leser, wer uns kennt, weiß um unsere natural Stonedheit. Ja manchmal scheint es, als wären wir im Knabenalter in den Kessel mit dem THCMDMA-Trank des Dorfdruiden gefallen. Wie dem auch sei, allen war klar, betrunken konnte der junge Herr nicht sein. Ja es gab nicht einen Besoffski auf dem ganzen Gelände; überraschend bei 8$ pro Dose Bier.
Für einige muss das nun sehr erschütternd klingen, doch ich muss gestehen so ein Festival ohne lattenstramme Schleudermongos, welche in der Crowd einfach nur im Weg stehen, pöbeln, in Zelte kacken, …, ist schön.
Wir mussten dringend Nahrung aufnehmen, kauften uns Pommes, um sie in des Zuckers wegen in Ketchup zu ertränken, aßen sie, während Macklemore die Mainstage rockte.
Leon kurierte noch ein wenig, Georg stratzte vor zu Baauer. Ein wenig mehr erwartet hätten wir von diesem guten Herrn, jedoch nicht einen absoluten Pöbel-Slamdancepit – Vorfreude aufs Southside.
Schon begann es zu dämmern, was den Klängen von Rudimental perfekte Atmosphäre verlieh.

Sodenn war auch schon der Höhepunkt des Abends erreicht, speziell für mich: Paul Kalkbrenner. An diesen führte mich mein Mitreisender ebenso heran, wie ich ihn an Netsky und Konsorten. Als ich mich just in time an der Bühne einfand, stieß ich sofort auf jenen, obwohl er sich eigentlich Hardwell geben wollte, mit bereits zwei Kalkbrenner-Konzerten auf dem Kerbholz. Die Entscheidung zu Gunsten Pauls sollte er nicht bereuen, stellte er doch später fest, dass das Set auf australischem Boden das für ihn beste live gesehene des deutschen Djs war; trippiger und unstraighter als sonst. Es hatte ein wenig den Anschein, als sei der Glatzkopf arg zugekokst gewesen, aber vielleicht war die Grinsebacke auch einfach nur so gut drauf wie wir, die einen reinen Trip erlebten. Ich wurde, da nicht an Abgehen zu Berlin Electro gewöhnt, völlig zerstört von diesem 90 minütigem, längsten Set des Festivals. Das groteskeste an diesem definitiv prägendsten Setting des Futures war der Umstand, sich in einem Publikum wieder zu finden, dessen erste 10 Reihen fast ausschließlich aus der Heimat des Künstlers stammten. Wir hätten uns genauso gut in den Rheinauen, auf dem SMS, in Berlin befinden können, kein Unterschied. Zufällig hatte sich also ein Klassentreffen des Landes ergeben, welches die größte Masse der Backpacker stellt. Leon Woermann, sich in jenseitigen Himmelschichten befindend, begann nach der ersten Stunde, während der ersten kleinen Pause „Zugabe!“ zu rufen. Wie selbstverständlich war die Schar nach wenigen Sekunden mit im Boot und so gab es also Zugabe-Rufe mitten in Australien.
Fast nebensächlich wurde nach diesem Auftritt, dass ja nur noch die Legende Deadmau5 folgen sollte. Sobald dieser aber angefangen hatte, wir konnten es nicht glauben, fühlten wir uns erneut wegkatapultiert wie Katzenbabys. Gänsehaut a la „Sky and Sand“ kehrte zurück, gekoppelt mit purer Energie. Den Abschluss des Abends bildete, wie könnte es anders sein, „Strobe“. Während die mittlerweile demaskierte Ikone der Menge so ein letztes mal eins vor den Latz knallte, legten sich die beiden fertigen Reisenden auf die Wiese und genossen. Zu meinem Wegbegleiter/Ravebegleiter legte sich eine junge Dame, mit Pupillen in der Größe seiner Augen, um seine Hand zu halten, mir wurde ein Lapdance einer jungen Dame zuteil, konnte ihre Pupillen nicht sehen.




Schon war er also vorüber, der seit vier Monaten ersehnte Tag...naja fast, wir mussten ja noch nach Hause kommen. Den versuch Busse mit den 30.000 zu teilen, unternahmen wir erst gar nicht, liefen, wankten, stolperten nur durch Restadrenalin ermöglicht heim.

An dieser Stelle wollen wir als Sexsymbole und zukünftige Modezaren es uns nicht nehmen lassen, pünktlich zu Beginn der warmen Jahreszeiten für alle Fashion Victims unter euch anzukündigen, was in sein wird.
Für die Dame gilt das Motto: Weniger ist mehr. Bevorzugt wird dieses durch das Tragen von „Arschhosen“ (hiermit etabliere ich den Begriff, ihr werdet schon sehen) ausgedrückt. Auch – Obacht, Bauchnabelfetischisten – bauchfrei erlebt ein Revival, wobei es keine Rolle spielt ob 90s-like oder wasted-fransig, die Freiheit zählt. Auch andere vermeintlich offenherzige Trends werden von ihren Ketten erlöst. So kann man Sideboobshirts zum Feiern auch perfekt ohne BH tragen oder nur einen BH, simple.
Auch für die Herren der Schöpfung gibt es eine ganze Welle neuer fresher Ideen. So ist es plötzlich cool dicke Socken, bevorzugt von „Globe“, so weit wie möglich hochzuziehen. Auch Leggins unter Shorts sind neuerdings beim männlichen Geschlecht angesagt. Des Weiteren sind noch stärker im Aufwind Tank-Tops und Inkamuster. Das absolute Must-Have diese Saison ist allerdings – endlich ist er da – der Fick-mich-Dutt auch für den Mann, welcher sich binnen einer Woche von neuartiger Randerscheinung zum absoluten „Knotenpunkt“ des Outfits von Mr Sommer 2014 aufschwang.

Der Verfasser des Artikels weist darauf hin, dass vorausgegangener Abschnitt tatsächlich zu 100% der Wahrheit entspricht und auf fünfmonatiger optischer Recherche beruht.


Wer rastet, der spastet, wir mussten weiter weiter weiter, ließen Pausen sausen; zurück nach Byron Bay!
Zu diesem Zwecke angelten wir uns höchst spontan noch einen Rideshare, welcher sich später noch als Mehrshare, auch noch mehr als Meershare herausstellen sollten. Niemand von uns Dreien hatte nämlich jemals vorgehabt ein Hostel in dem völlig überfüllten Örtchen zu buchen, sodass der Plan am Strand durchzumachen stand. Nach ein wenig lieblichen Shopping ergab sich schon wieder einer dieser gruselig flashigen Backpacker-Momente. Auf dem Weg in die Hallen des Aldis grölte man plötzlich meinen Namen irgendwo. Wie sich herausstellte, hatten wir Leon und Markus wiedergetroffen in diesem winzigen Land. Die Fellows schlossen sich umgehend unserem Plan an, wir hatten also Dank fehlendem Drum and Base endlich noch etwas Zeit zu schnacken (wir trafen eindeutig zu viele Norddeutsche). Relativ früh musste das Grüppchen feststellen, vielleicht eines späten Bades im Ozean geschuldet, es wird kalt.
Uns blieb nichts anderes übrig, als die Nachtruhe im Automobil. In Sachen Gastfreundlichkeit haben wir hier so viel gelernt, dass wir dem Experiment „Können drei Personen in einem Station Wagon pennen?“ freilich nur zustimmen konnten. Am nächsten Morgen hatten wir bewiesen: Es ist möglich! Zwar fühlt man sich wie eine Sardine und mit drei Typen hätte es wegen der Schultern vermutlich nicht gepasst, aber es ist möglich; bald also Couchsurfing in unserem Auto.
Es galt später nach dem Besuch vieler weiterer Läden, dem östlichsten Punkt des Kontinents, dem befahren katastrophaler Straßen und dem letzten mal wartend Herumsitzen vor Byrons pulsierendem Herzen, Domino's Pizza, noch Nimbin zu erreichen.


Während Byron vor allem für Surfing, Strand und Jugendkultur, nur nebensächlich für Gras steht, ist Nimbin absolute Drogenhauptstadt des Landes. Dieses Kuhdorf erlangte seinen Bekanntheitsgrad durch das dort abgehaltene „Aquarius-Festival“ Anfang der 70er, dem natürlich – alles ist verbunden – die damals jungen Richard und Sally beiwohnten. Vielen Hippies gefiel es am Rande des Regenwaldes nämlich so gut, dass sie einfach dort blieben, Kommunen gründeten, Gras anbauten etc. Heutzutage kursieren alle Drogen in dem Städchen „Want some H?“ und es herrscht ein Tourismus a la Amsterdam, natürlich in klein. Jedoch waren wir sehr überrascht wie viel Charme sich Nimbin über die Jahre bewahrt hat. Das Museum, Nim FM, Relikte aus alten Tagen sorgen für ein einladendes Flair. Auch viel Positives hörten wir vom Mardi Gras (hihi) und einem Hostel, geschaffen, um perfekt zu hängen. Hängengeblieben sind wir allerdings nicht, sind ja keine Hängengebliebenen und blieben nur drei Stunden; länger ging auch nicht, die Läden schließen um 17 Uhr, man braucht ja noch Zeit zum chillen.
Mensch, ganz schönes Pensum für schläfrige Hippieorte.



Zwei Wochen des absoluten Gönnens vergehen so schnell wie eine Welle, die an den Strand brandet. Wir lebten zu schnell, um bis jetzt auch nur ansatzweise alles verarbeitet haben zu können. Leon immer noch erfüllt von seiner Insta-Romanze, der lonely Poet verträumter, mehr in den wildesten Gedanken, Plänen, zwischen Entscheidungen gefangen denn je, beide immer noch im Bann von diese unglaublichen Stadt namens Sydney, führen wir gerade seit einer Woche, so viel kann ich schon einmal verraten, ein Leben genau gegenteilig, geprägt von Malochen, als Proletarier, als Gypsies, im Dreck, mit kurzen Tagen. Die baldigen Schritte sind alle geplant, wir machen noch ein lächerliches Bisschen Geld und dann geht es heran an die letzten Etappen.



Glück auf!



PS.: Fuck es wird Herbst.

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