Monatliche Vierzeilersammlung Ausgabe 4

Ich entschuldige mich für die doch massive Verspätung!

Es ging leider nicht anders, da ich nicht genug Strom zur Verfügung hatte, um alle Splittertexte abzutippen.
Zwar gibt es in Shepparton tatsächlich public electricity im Park, doch wenn man dann einmal in drei Tagen Saft en masse hat, beschäftigt man sich eben lieber mit dem Hören der Lieblingslieder und dem Herumhuren auf Facebook.
Wie dem auch sei, selbst mich überrascht es, dass sich die Vierzeiler nicht schon längst doppeln und dass es mir immer noch Freude bereitet pro Tag ca. zehn Minuten in ein Quatrain zu investieren und das obwohl ich meistens nur 15 Stunden Freizeit pro Tag habe on the road...


19.12.2013
Aufbruch! Aufbruch! Wir schieben Übermenschprogramm,
Schlafen kaum, räumen auf, schauen und zwei Autos an.
Im Sunny's finden sich noch bekannte Gesichter,
Getränke: Hallo brennende Lichter!

20.12.2013
Wenn man sieben Tage einplant um ein Auto zu kaufen,
Und nur einen braucht,
Merkt man wieder wie schnell Dinge hier laufen,
Und das Auto auch.

21.12.2013
Aufwachen im Hostel: auf der Straße rattert ein Truck,
Fünf schmandige Gestalten, der Ventilator spiegelt sich im Goonsack.
Die Küche und die Duschen sind gesperrt,
Mal wieder viel zu lang geschlafen, doch das war es wert.

22.12.2013
Wenn man im Ikea ist, freut man sich wieder auf Sperrmüllweiden,
Auf Fächer in Kleiderpuppen schneiden,
Straßenschilder klauen,
Und daraus Tische bauen.

23.12.2013
Das längste Werk meines Poesiegeszugs ist vollbracht.
Überdreht sein
Multipliziert sich gut mit Weißwein.
Ergebnis: Betrunkenes Weihnachts-Shopping bei Nacht.

24.12.2013
Es ist Weihnachten, das fühlt sich so wunderlich an,
Besonders weil man bis 01:30 Uhr draußen sitzen kann.
Weihnachtsmarathon wird abgehalten,
Frag mich wies wird mit alles beim Alten.

25.12.2013
Mit 92.7 Fresh FM cruisen wir zum Strand,
Chillen mit Football, Mac Miller und Kokosnüssen festlich elegant.
Zurück im Hostel gibt’s ein riesen BBQ für alle geschenkt,
Perfekter Abschluss, kein Hostel an dem unser Herz mehr hängt.
(Sunny's oohohoo Sunny's...)
26.12.2013
Das Vagabundenleben galt es zu erstreben,
Raus aus der Boxing Day Sale Stadt, weg von den Weinreben.
Schlafsäcke ins Auto, Matratzen sind ein Privileg,
Truckerduschen besser als im Hostel, sofern man sie unvergewaltigt übersteht.

27.12.2013
Der eine näht, der andre wichst seine Schuhe,
Wir haben nicht viel, aber dafür unsere Ruhe.
Dieses Auto ist unser Haus, steig ein, du suchst doch wen zum Trampen.
Wir sind Nomaden, die überall kostenlos campen.

28.12.2013
Vor dem Frühstück erstmal in den Fluss,
Das Camperleben ist ein Genuss
Oder hat zumindest seine guten Seiten,
Nicht auf Dauer in diesen urbanen Zeiten.

29.12.2013
Arbeitssuche heißt bei Farmhäusern auf der Matte stehen.
Die Landbevölkerung ist nett, es fällt nicht einmal schwer ihren Slang zu verstehen.
Nur gute Erfahrungen soweit,
Was leider bis jetzt fehlt: Arbeit.

30.12.2013
Anderer Campground, gleiches Gewässer,
Der National Harvest Guide macht die Jobsuche auch nicht besser,
Les ich halt den ganzen Tag Oscar Wilde,
Bin ich halt ruhig und ausgeglichen und nicht...wilde.

31.12.2013
Wenn dein Auto dich verlässt, dann bist du gefickt.
Wenn dein Auto dich fickt, dann bist du verlassen.
In zwei Tagen wird’s geflickt,
Dafür können wir dann all unser Geld verprassen.
Naja naja naja,
War trotzdem ein gutes Jahr!

01.01.2014
Wieder abreagiert,
Außer durch Suff, viel mit Reden.
Auto, ich will wieder in dir leben,
Morgen wird operiert.

02.01.2014
Ein Hostelbesitzer ist zu unserer Rettung gekommen,
Das Auto wieder heil, der Schaden viel preisgünstiger als angenommen.
Nicht nur deshalb ist mein Gemüt endgültig befreit,
Lang vorgeschobener Anruf hinfällig, man hat sich wieder verzweit.

03.01.2014
Dreiminütige WWOOFingfarmsuche führt zu Trash-Farm samt Künstlerin.
Motto: „Ich rede ohne Pause, weil ich doch Künstler bin.“
Diese Ort bietet Second Year Visa, Freiheiten und Chaos, von letztem gehörig viel,
Sei es für kurz oder lang, guter Deal.

04.01.2014
Ich mache ein Selfie während der Autofahrt,
Ich mache ein Selfie, weil ich keine andren Menschen mag.
Mein Profilbild ist ein Selbstbild, mein Titelbild jetzt auch,
Ich tätowier mir meine Visage auf den Bauch.

05.01.2014
Ich bin Aschenbrödel,
Mit Dödel.
Dieses Anwesen ist für uns wie die Mehlstube für Krabat,
Nur dass unser Chef pausenlos labert.

Ich hasse diese Künstler, bringen nichts zu Stande,
Außer andre Menschen an des Wahnsinns Rande.
Ich werd wohl doch BWL studieren
Oder Computer programmieren.

06.01.2014
Ich bekomm fünf Kinder, schlepp sie zum Arzt oder ins Krankenhaus,
Klage sie hätten ADHS, ich hielt es nicht mehr aus,
Sie bräuchten Ritalin;
Vercheck es dann an Studenten, gute Art Geld zu verdien'.

07.01.2014
Rote Beete in meinen Haaren,
Kinder, die in unserem Auto fahren,
Ferien in euren Herzen, Leere in den Flaschen,
In den Schränken sind wieder die Kerzen, korrigierte Klausuren in ihren Taschen.

08.01.2014
Der Familienstreit ist vorbei.
Auch verschwunden ist die Polizei.
Ich stell mir was anderes vor unter hart arbeiten,
Als den Farmhost in Art Galleries und an den Fluss zu begleiten.

09.01.2014
In die Pötte kommen ist nicht on vogue,
Dafür Kaffee und Dialog.
Sind die Arbeitszeiten halt etwas variabel,
Wie die Farben der Flusen in meinem Bauchnabel.

10.01.2014
Ich muss mich nicht auf schlechte Abifinas quälen,
Ich kann die Farbe meiner Haare frei wählen,
Nichts kann mich stören, ich bin zufrieden,
Was nur langsam stresst ist die explodierende Pläne-für-zu-Hause-Schmiede.

11.01.2014
Ich trinke alkoholfreies Bier, zock COD auf 'nem riesigen Plasma,
Bin 13, na und, fick dich du Bastard.
Xbox Live ist voll mit Pädos und Pervos
In dieser Welt leb ich und fühle mich groß.

12.01.2014
Wenn die Chefin sich morgens einen raucht,
Noch mehr durch einender ist also sonst, die Arbeit folglich noch mehr schlaucht,
Helfen nur Kaffee, harte Bässe, lautstarkes Fluchen,
Obst und noch mehr Kaffee und neue Arten der Entfaltung zu suchen.

13.01.2014
Freier Tag voll Schlaf bis sie uns fragt ob wir nicht doch lieber gehen wollen.
Wir sagen „klar!“, wissen doch eh nicht was wir hier noch sollen.
Sie brauche Zeit für sich und komme nicht auf ihr Leben klar,
Jaja hmm juckt nicht, wir machen noch schnell ein Foto und verfolgen unseren Plan.

14.01.2014
Auf Wiedersehen, treuer Wegbegleiter Arbeitshose,
Du bist so zerrissen, meine Genitalien für jeden sichtbar und schon ganz lose.
15 Dollars für das Auslegen von Aprikosen,
Bezahlte Farmarbeit erst einmal in kleinen Dosen.

15.01.2014
Chillen wieder am Fluss mit einem Waran
In Mildura, diese Stadt wollten wir eigentlich nie sehen,
Doch wenn alle so tun als gäb es hier Arbeit, kann man nicht widerstehen.
Wird eh nichts, dann sind wir immerhin was rumgefahren.

16.01.2014
Nicht zu vergüten ist einer von solchen Tagen,
Es ist so ein nettes Gefühl nur eine luftige Schwimmshorts zu tragen
Auch nicht mit prallen Einkaufstüten, Sonne und Fluss ziehen so an uns entlang,
Tiere sagen „Guten Morgen“, stimmen mit ein in den Müßiggang.

17.01.2014
Flüsse sind unsere neue Leidenschaft, egal ob sie zusammenfließen,
Tote Bäume hinterließen,
Auf denen man gekühlt sitzen kann,
Mit dem Bad im Murray River fängt der Tag an.

18.01.2014
Nach drei Stunden Schlaf, Flucht vor dem Feuer,
Der Rauch in der Luft, die Einsamkeit im Waldbrandgeruch ist uns nicht geheuer.
Nach dem Checken der Feuer-app fährt Leon trotzdem bis zum Morgengrauen durch, unermüdlich.
Die warme Dusche im Morgengrauen ist umso mehr vergnüglich.

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