Tagebuch eines einsamen Farmarbeiters

Woche I, Tag I - Freitag, 29.11.13


Es ist so weit
. Zum ersten Mal auf dieser Reise gehen Georg und ich getrennte Wege. Während ich weiterhin auf der Farm bleibe und für Kost und Logis arbeite, lässt er sich an den nächsten 3 Wochenenden in ein Labor einsperren, verkauft seinen Körper an die Wissenschaft.
Für den Leser mag dies keine große Sache sein, für mich ist der Gedanke allerdings äußerst interessant. So haben Georg und ich die letzten 2 1/2 Monate täglich zusammen verbracht, haben beinahe alles gemeinsam unternommen. Das schweißt zusammen, vor allem in einer solchen Situation, wie dieser, in der wir hier nun einmal stecken: neues Land, neue Menschen, täglich neue Erfahrungen, andere Sprache, 15.000km zwischen trautem Heim mit Familie und Freunden und derzeitigem Wohnort.
Natürlich gibt es in 74 Tagen ständigem Aufeinanderhockens auch Reibungen, allerdings erstaunlich wenige, und wir haben echt eine gute Zeit hier!

Mit diesen Gedanken im Kopf habe ich mit gemischten Gefühlen auf diesen Tag geschaut. Zum einen habe ich mich auf die Privatsphäre hier und die Zeit für mich (die es hier sonst nicht gibt, wohnt man in einer 1-Zimmer-Hütte mit 'Bad') gefreut, zum anderen bin ich ab heute - abgesehen von der Familie, der die Farm gehört - alleine hier, da die sweeten Sweden gemeinsam mit Georg aufbrechen und ihr australisches Abenteuer fortsetzen werden. Dass sich außer mir hier noch die Farmfamilie aufhält ist natürlich klar, bedeutet aber trotzdem, dass ich meine Zeit hier ohne Gesellschaft verbringen werde; wie Georg bereits berichtete ist man zum Arbeiten auf dieser Farm, nicht zum nach der Arbeit mal quatschen oder sonstigem.

Also begann ich heute alleine um 8h mit der Arbeit, während die 3 anderen Farm Hands damit begannen, ihre Sachen zu packen und ins Auto der Schweden zu laden. 

Freundlich, wie die drei halt sind, haben sie mir übrigens ihr schmutziges Geschirr zurück gelassen, welches ich dann nach erledigter Arbeit noch spülen durfte, um mir mein Mittagessen zu kochen... Danke Henrik, Ylva und Georg!!

Aber zurück zu meiner Arbeit: versprochen wurden mir viele kleine Aufgaben, die ich als einzelne Arbeitskraft über 5 Stunden gut schaffen sollte. Darunter befanden sich: Pflanzen pflanzen, Zucchinibeete mit Zucchinisamen bestücken, Hühnerscheiße umgraben.
Trotz nur 2 anstatt den üblichen 8 arbeitenden Händen waren alle mir zugeteilten Aufträge binnen 2 Stunden erledigt, es musste Beschäftigung für den viel zu fleißigen Jungen her!

-> Ab aufs Weinfeld und Brombeeren hacken!

Juhu.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich dann auch die 3 Stunden einsamen Unkrautentfernens hinter mir und machte mich an mein Mittagessen. Danach folgten ein wenig Sport, eine lange Dusche, etwas Fernsehen und Musik hören.

Es ist wirklich schön, alles in seinem eigenen Rhythmus machen zu können, ohne auf andere MitWWOOFer acht geben zu müssen. Seine eigene Musik so laut wie möglich zu hören ist schon ne feine Sache!

Irgendwie ist der Tag auch schnell vergangen. Schneller als Gedacht. Jetzt steht noch das Dinner mit der Hostfamilie an, darauf bin ich mal gespannt. Vielleicht werde ich mit Fragen gelöchert, weil ich der einzige Gast bin, vielleicht werde ich ignoriert, weil ich der einzige Gast bin. Man weiß es nicht.

Einzig, weil ich keinen Post ohne Foto machen kann, hier noch ein oder zwei Blicke auf das so oft besuchte Weinfeld. Auch Blackberry-Hölle genannt.



Tüdelü, man riecht sich morgen.

EDIT: Familiendinner ist ausgefallen, niemand außer Kati war zu Hause und diese wollte wohl nicht mit mir am Tisch sitzen. So wurde mir mein Futter auf einen Teller gepackt und ich zack nach oben in meine Hütte geschickt.




Woche I, Tag II - Samstag, 30.11.13


Nach einer der besten Nächte (vom Schlaf her) der letzten Monate alleine aufgewacht, stillschweigend gefrühstückt, gemerkt, dass ich 30 Minuten zu früh aufgestanden bin, da die Arbeit Samstags erst um 8:30 beginnt, und dann nach einer halben Stunde rumsitzen und Musik hören runter zum Herrenhaus, um mir die Aufträge für den heutigen Tag abzuholen.

Diese waren echt gut heute!! Die ersten 3 Stunden meines Arbeitstages verbrachte ich damit, mit Hilfe von Dean (einer Art Gärtner/Mannfüralles/Guterfreundderfamilie) und Andrew (meinem Herrn), vergeblich zu versuchen, eine 150m lange Seilbahn im Garten aufzubauen. Wir sind an einem kleinen Teilchen gescheitert, das nicht so wollte, wie es in der Anleitung stand. Egal, wie oft wir das Seil spannten und wieder entspannten, egal, wie viele Ideen wir aufbrachten, um das Problem zu lösen, das kleine Scheißteil (der Leser vergebe mir meine drastische Wortwahl) wollte einfach nicht so, wie es sollte. 
Um 11h, dem Beginn meiner halbstündigen Tee/Kaffee/Pipipause, sahen wir dann ein, dass das Teil ersetzt werden müsse, dies allerdings heute nicht mehr möglich sei, da viel vor und viel zu tun blabla, deswegen wurde die Fertigstellung des "Flying Foxes" (Seilbahn auf Englisch (hört sich verdammtnochmal 1000x cooler an!)) auf einen anderen Tag verlegt.




















Zweite und letzte Aufgabe: einen Stall für die bald erwarteten Küken der farmeigenen Hühner bauen.
Erstes Hindernis: der dafür vorgesehene Verschlag ist über die letzten Jahre von den Chooks anscheinend als Toilette benutzt worden. Sah zumindest so aus... So war dieser natürlich kein schöner Ort, um viele kleine süße gelbe Küken großzuziehen! 
Erste Lösung: Spaten nehmen und die jahrhunderte alte Kotkruste vom Holz abschaben.

Zweites Hindernis: das Holz des Kastens ist zu alt, morsch, durchgenudelt, um Schrauben dort reinzudrehen, die die vorgesehenen Applikationen (zB eine Tür, eine Schwelle, die die Kükchen am herauswatscheln hindern soll) befestigen sollen.
Zweite Lösung: nicht existent.

Pech gehabt. Glücklicher Weise war dann aber auch meine Arbeitszeit für heute um und ich konnte das Rätsel Dean überlassen, der jeden Samstag gefühlt 18 Stunden auf dieser Farm arbeitet.

Ich zog mich in meine Hütte zurück, machte mir bei meiner neuen Lieblingsserie "Cheers" (Achtung, Sarkasmus) etwas leckeres zu essen (Achtung, Sarkasmus) und entspannte erst einmal. 

Nächster anstehender Punkt: Wäsche waschen. Während die schmutzigen Klamotten der letzten Woche munter ihre Kreise im Toploader drehten, machte ich munter meine täglichen Übungen, hörte dabei zum ersten mal in meinem Leben bewusst Knife Party gehört. Schande, ist mir da etwas bisher entgangen!

Nach dem Waschgang stellte ich mit Entsetzen fest: Waschmaschine kaputt! Klamotten zwar sauber, aber klitschnass, da die Maschine anscheinend nicht mehr dazu im Stande ist, Wasser zu lassen. Also konnte ich unsere Kleidung aus der Suppe fischen und ganz freundlich am Herrenhaus fragen, ob es möglich wäre, deren Trockner zu benutzen, da da oben in der Hütte etwas nicht ganz in Ordnung sei.
Kein Problem! 
Seitdem steckt unsere Kleidung nun im Trockner, langsam bin ich etwas beunruhigt.. Aber naja! Man wird schon wissen, wie der Trockner zu bedienen ist.

Den Tag werde ich nun mit ein wenig Aufräumen, Putzen, Spülen und einem erneut einsamen Dinner beenden, da ich wieder unerwünscht bin, unten an der Familientafel.

Sohojoho, ich hau dann auch mal wieder rein





Woche I, Tag III - Sonntag, 1.12.13


Was gibt es zum heutigen Tage zu erzählen? Kaum etwas. 
Ich hatte mir vorgenommen, den Tag mal zum Putzen, sauber machen usw zu nutzen und einen schön produktiven Tag zu haben. 

Als ich dann um 10h aufgestanden war, gemütlich vor dem Fernseher gefrühstückt und mich soweit startklar für den Tag gemacht hatte, fiel mir nach einer Stunde auf, dass alles gespült, alles gewischt und alle Kleidung, die es zu falten gab, gefaltet war. Coole Sache.
Was nun?

Couch! Fernseher!
Heute habe ich ernsthaft gemerkt, wie grausam australisches Fernsehen ist und wie gut wir es doch in Deutschland haben. In good old Dschörmanie fühlt es sich so an, als kommen nach 10 Minuten Fernsehprogramm 10 Minuten Werbung. Hier ist es tatsächlich so!

Also bestand mein Tag neben der einen Stunde putzen daraus, mir Dokus über den "gefährlichsten Tunnelbau der Welt" irgendwo in Asien, echte Ozzies, die jeden Tag ihres Lebens damit verbringen, Supertrucks durch das Outback zu fahren und dabei echt häufig fluchen und eines "der härtesten Gefägnisse der Welt" anzuschauen. Alle zehn Minuten gab es stets an einer hochspannenden Stelle der Sendung zum Glück Zeit, aufs Klo zu gehen. Musste ich gerade mal nicht, habe ich mir die Zeit damit vertrieben, die Werbungen auswendig zu lernen. Mein Bruder wäre stolz auf mich!

Leider gibt es wirklich nicht mehr zu berichten, deswegen war es das auch schon wieder für diesen Sonntag.

Morgen kommt Georg ja endlich wieder! :3 




Woche I, Tag IV - Montag, 2.12.13


Heute wieder Arbeiten. Mit Dave. Allerdings nicht dem Dave, mit dem Georg und ich ab und zu in den letzten zwei Wochen zusammengearbeitet (oder auch während der Arbeit zusammen gechillt) haben. Nein ein anderer Dave! Davon jedoch nicht in Kenntnis gesetzt, machte ich mich schon einmal auf in den Weinberg, hielt ab und zu nach dem mir bekannten Dave ausschau und war doch erst einmal sehr erstaunt, als dann ein kleiner rundlicher Mann mit Sonnenbrille, Turnschuhen und eindeutigem Aussieakzent neben mir stand und mir mitteilte, dass wir heute die fünf Stunden Arbeit zusammen verbringen würden. Kein großer drahtiger Franzose in Gummistiefeln, dennoch viel Gechille heute. Liegt bestimmt am Namen.

Von 8 bis 10:35 stand ich dann mit Dave in der prallen Sonne auf dem Weinfeld und habe zur Abwechslung Brombeeren aus dem Boden gehackt. Planmäßig ist die tägliche Pause von 11 bis 11:30, mit dem AussieDave war meine Pause heute von 10:35 bis 11:20. Gefällt mir!!

11:20 bis 13:00 wurden dann noch damit gefüllt, ein Startpodest für den Flying Fox zu bauen. Dazu kamen Baumstämme und eine Palette zum Einsatz, weder Nagel noch Schraube fanden Einzug in diese Konstruktion. Trotzdem ist sie stabil und darauf sind wir stolz!
Foto folgt bald

Der Arbeitstag hat mich heute mehr mitgenommen, als erwartet; so wurde ich direkt nach Schichtende von starken Kopfschmerzen überfallen, die sich weder durch Essen noch Trinken vertreiben ließen. Gefüttert und gewässert legte ich mich mit pochendem Köpfchen aufs Sofa und schlief beinahe direkt ein. Pünktlich um 18h bin ich dann wieder aufgewacht, um beim Familiendinner (endlich wieder nach einer gefühlten Ewigkeit!) anwesend sein zu können. 
Andrew, Familienvater, Farmherr und Arbeitgeber, war heute der Arbeit wegen in ein Flugzeug Richtung Malaysia gestiegen, also bestand die Runde heute Abend aus Mutter Kati, den 4 Söhnen und mir. Essen war lecker und gut, Unterhaltung lief. Mehr kann man dazu nicht sagen.

Um 19:30 kam dann auch Georg (JUHU :3) mal runtergetrollt, nachdem er eine halbe Stunde damit verbracht hatte, oben in der Hütte auf ein Lebenszeichen von mir zu warten. Komischer Kauz.
Langer Updatetalk, was in den letzten Tagen so passiert ist. Uns beiden ist einiges lustiges passiert, also hatte ich einen guten Abend. Es tut vor allem mal wieder gut, den ganzen Scheiß, den wir ansonsten über den Tag verteilt verzapfen, ausleben zu können. 

Kopfschmerzen sind nicht vergangen, deswegen haue ich mich gleich hin.
Tschausn

EDIT: Nach dem Abendessen haben wir übrigens noch jeder einen Schokoazvenzkalender geschenkt bekommen! Auch wenn ich einfach nullnadanienteüberhhauptnicht in Weihnachtsstimmung bin, ist die Geste doch sehr nett und wir haben uns beide darüber gefreut! Vor allem freue ich mich schon auf morgen früh :)





Woche II, Tag I - Samstag, 7.12.13


Es ist wieder so weit, Georg hat sich gestern Abend um 19h Ortszeit wieder einschließen lassen, für Teil 2/3 des Schlafexperiments. Nach einer Woche mit Gesellschaft bin ich nun über das Wochenende ganz alleine, da nicht nur Georg seine Zeit wo anders als auf Sandow's End verbringt, nein, die gesamte Familie Wenk hat sich auf nach Malaysia gemacht, um den dort arbeitenden Familienvater zu seinem 50. Geburtstag zu überraschen.



Da Samstag allerdings Deanstag ist, habe ich wenigstens die ersten 5-7 Stunden meines Tages nicht alleine verbracht, sondern meine 5 Stunden mit Aufgaben gefüllt, die ich von Dean entgegen nahm. So verlegten wir ein Rohr, machten den Hühnerstall wetterfest und verteilten etwas Dreck. Übrigens: ein paar der Küken sind geschlüpft! Big News! Sehen putzig aus, die Viecher.



Nach der Arbeit, dem obligatorischen halbstündigem Rumlümmeln, der täglichen Dosis Sport, dem Mittagessen und der Dusche habe ich mich etwas hingesetzt zum Lesen. Einer plötzlichen Eingebung folgend legte ich die Lektüre allerdings beiseite, da mir endlich, nach mehreren Wochen eine Mögliche Bearbeitung für ein Bild eingefallen ist, das ich noch 'damals' mit den drei Gläsern im Adelaide Zoo gemacht habe.


So von Kreativität und Fotografie gepackt, griff ich meine Kamera und knipste ein wenig vor mich hin, bis ich ein weiteres Bild produziert hatte.


Dann war auch schon Familiencall angesagt, ich habe die Heimat angerufen und ausgiebig telefoniert was das Zeug hielt.

Kaum eine Stunde später (diese Pause war genau passend für ein kleines Abendessen) war ich dann noch zum Skypen mit einer lang vermissten Person verabredet: Lisa. 

Jetzt liege ich erfüllt von Telefonat und Skypesession im Bett und fühle mich überhaupt nicht so einsam, wie ich eigentlich bin. So ganz alleine auf der Farm. In den Adelaide Hills. In Australien.



Woche II, Tag II - Sonntag, 8.12.13


Das erste, das mir heute nach dem Aufwachen auffiel, war: Meine Fresse, hast du Kopfschmerzen! 
Ich bin nicht der Typ Mensch, der direkt bei allem ein Pillchen einwirft, und außerdem bin ich was Kopfschmerztabletten angeht etwas knapp bei Kasse. Ich habe zwar meine "guten" (soll heißen starken) von zu Hause mitgenommen, allerdings sind dies nur noch 6 Stück, die ich mir dann für wirklich krasse Sachen aufsparen will. In Australien findet man nämlich höchstens 200er, ansonsten habe ich noch nichts anderes gesehen. Und auf einen ganzen Mund voll Tabletten mit Koffein und was die hier sonst noch alles reinmischen habe ich weniger Lust.
Also wollte ich mir ein schön großes Glas Kraneberger holen, in der Hoffnung, so verschwinden die Kopfschmerzen vielleicht auch. 
Zweite Erkenntnis dieses Morgens: Es gibt kein Wasser mehr.

Der Wasservorrat war über Nacht aufgebraucht worden, da Dean gestern Abend bevor er das Anwesen verließ wohl vergessen hatte, die Sprenkler auszustellen. So haben diese munter die ganze Nacht durch Rasen, Blumen und Beete mit Wasser versorgt und meine Vorräte zum Trinken, Duschen und Kochen damit geleert. Stinkend (da nicht geduscht), mit Kopfschmerzen und schlechter Laune machte ich mich dann erst einmal auf zu den Hühnern, um diese zu füttern. Freudige Überraschung, die meine Laune aufbesserte: über Nacht waren alle Küken geschlüpft, schienen gesund und munter zu sein und begrüßten mich mit einem eifrigen Piepskonzert!
Auch die anderen Hühner schienen über den Nachwuchs erfreut und aufgeregt zu sein, standen die ganze Zeit um mich herum, als ich die Brut beobachtete.

Wieder oben in der Hütte angekommen schrieb ich Dean erst einmal eine SMS mit der Frage, was ich bezüglich des Wassermangels unternehmen könnte. Dieser sagte mir, dass er sich direkt nach seiner Arbeit auf zu mir machen würde, um mich aus meiner misslichen Lage zu befreien. Ganz ritterlike. Leider wurde mir nicht gesagt, wann ich mit meinem Prinzen rechnen könne. Also legte ich mich nach einem Frühstück erst einmal hin, um zumindest so den Kopfschmerzen zu entkommen. 

3 Stunden später wachte ich auf, Dean war anscheinend schon da gewesen, da das Wasser wieder lief. Nach einem (oder mehreren) ordentlichen Schlucken Wasser, stellte ich mir die Frage, wie ich jetzt den Rest des angebrochenen Tages verbringen sollte. Eigentlich wollte ich mich heute auf ans Meer machen, um etwas zu tun zu haben, und man sagte mir, es sei schön am Meer, jedoch machte mir der stets drohende Thunderstorm, dem ich meinen pochenden Kopf zu verdanken habe, einen Strich durch diese Rechnung, indem dieser den ganzen Tag über wieder Schauer über das Land schickte, allerdings nie so richtig loslegen wollte, um es danach aufklaren zu lassen.
Ausgeburt meiner Langeweile waren dann zwei Versuche mit Photoshop. Etwas derartiges hatte ich schon länger mal vor, habe mich allerdings nie drangesetzt. Ich bin für meine ersten beiden Versuche ganz zufrieden.



Die restlichen Stunden verbrachte ich mit Lesen, Musik hören, spülen und säubern und dem sonntaglichen Abendprogramm im TV, mit dem ich auch schon letzte Woche Bekanntschaft machte: lebensmüde Trucker im Outback und die härtesten Gefängnisse der Welt. Danach war für mich noch ein kleiner Einblick in Jackass: The Movie drin, jedoch machte sich eine kleine Müdigkeit bei mir bemerkbar und so lege ich mich nun darnieder, um für den morgigen Arbeitstag fit zu sein.

Guts Nächtle!



Woche II, Tag III - Montag, 9.12.13


Ein neuer Tag, noch einmal arbeiten. Angesagt war heute: zusammen mit Dave, den ich letzten Montag im strahlenden Sonnenschein kennenlernte und mit ihm zusammen zuerst die Blackberryplage bekämpfte, um später die Startrampe für den Flying Fox zu bauen, ... nun ... jetzt hab ich mich in meinem eigenen Satz verrant. (Hier ist es spät und ich schreibe halb schlafend!)

Naja. 

Also mit diesem Dave sollte ich auf jeden Fall heute noch einmal zusammen arbeiten. Zumindest war dies Katis Plan. Die Realität sah anders aus. Nachdem ich geduscht, gefrühstückt und die Hühner inklusive quickfidelen Nachwuchses versorgt hatte, saß ich Punkt 8h bereit, um den gemeinsamen Arbeitstag zu beginnen. 8:15 kam und ging, kein Dave in Sicht. Also beschloss ich, schon einmal alleine damit anzufangen die Grünstreifen neben der Auffahrt aufzuräumen, damit diese später gemäht werden können. 

Mein Konzept sah wie folgt aus: Anhänger an den Trecker dran, mit Trecker zu den Grünstreifen fahren, Mist auf Anhänger laden und Zack Bumm feddich is die Laube. 


Also, Anhänger an den Trecker, Leon auf den Trecker drauf, anmachen, ..., anmachen, ..., ..., anmachen?? Nichts da mit anmachen, Trecker will nicht. Schade eigentlich. 

Ursache des Problems? Keine Ahnung, nicht mein Ding, muss Kati mit klar kommen, wenn sie wieder kommt. Jedoch war mein Problem nun, dass ich das ganze Zeug, das entlang der Auffahrt lag (Äste, Zweige, Steine, große Steine, Draht, Feuerholz), jetzt einzelnd per Hand wegtragen konnte. 
Das hat allerdings nicht so lange gedauert, wie befürchtet, und nach ca 1 Stunde war ich dann auch damit fertig. 
Der Rest des Arbeitstages bestand darin, wieder einmal einen Anlauf zu nehmen, den Brombeerfluch in Schach zu halten. Die ganzen fünf Stunden ließ sich Dave nicht blicken, so schuftete ich allein (mein Gott, wie oft habe ich dieses Wort schon in diesem Post benutzt?!) im (Niesel)Regen.

Mein Nachmittag bestand aus essen, erneuten Versuchen bezüglich Photoshop, jeweils etwas Lesen und Glotzen.


Dann kam Georg nach Hause, wir haben uns gefreut, tralala wideralala! Abendprogramm: Top Gear. Dort wurden diesmal mit ausrangierten Militärfahrzeugen Mehrfamilienhäuser platt gemacht, das war recht amüsant anzuschauen.

Jetzt geht es in die Heia, damit ich morgen wieder fit für die Arbeit bin und falls Kati morgen früh schon wieder zurück sein sollte (genaue Ankunftszeit wurde verschwiegen) diese nicht meckern kann, dass wir nur auf der faulen Haut liegen und nicht schuften.
Trideli! Auf nächste Woche!



Woche III, Tag I - Samstag, 14.12.13


Die letzte der drei Wochen im Zeichen der Schlafstudie hat angebrochen! Gestern ließ sich Georg ein letztes mal für 3 Nächte wegsperren, seinen Schlafrhythmus umdrehen, sich Elektroden auf die Stirn pappen. Ein letztes Mal verbringe ich mein Wochenende auf Sandow's End ohne meinen Brother from another Mother

Inzwischen sind wir in der fünften Woche auf diesem Property, befinden uns seit 5 Wochen mehr oder weniger täglich auf dem Vineyard und erledigen so seit 5 Wochen mehr oder weniger die selbe Arbeit: Brombeeren dort weghacken, wo sie nicht hingehören. Dem Vineyard. Natürlich kamen auch andere Aufgaben dazu (Flying Fox, Trecker fahren, Brombeeren aus dem Garten entfernen), dennoch befand ich mich zu 75% meiner Arbeitszeit auf dem Felde. Vielleicht kommt inzwischen das Feeling an, dass ich genug habe. Dem ist so! 

So war es doch recht schwer für mich, heute morgen aus den Federn zu steigen. Eine geschlagene 3/4 Stunde lag ich im Bett, mir immer wieder zuflüsternd: "5 Minuten gehen noch klar. okay noch 5 Minuten, dann stehst du auf. Okay, das waren jetzt 6 Minuten, mach lieber 10 draus."
Dennoch sollte ich es schaffen, noch pünktlich aufzustehen, zu frühstücken und mir meine Arbeitskleidung anzuziehen. Duschen braucht keiner, schön machen gibts auf einer Farm nicht.

Einen pünktlichen Dean übrigens auch nicht (heute war wieder Deanstag). Bis dieser dann mit seinem Pickup voller toller Werkzeuge angerollt kam stellte ich mich ins Weinfeld und zupfte ein paar unerwünschte Triebe ab.

Sobald Dean dann geparkt hatte und ausgestiegen war fiel uns etwas schreckliches auf!

+++ Attentat auf Hühnerverschlag +++
+++ 9 Opfer, darunter 2 Kinder +++

Über Nacht war wohl ein Fuchs ins Gehege gekommen. Wie ist unklar, nach Untersuchungsangaben gab es mehrere infragekommende Stellen. Was mir etwas komisch vorkam ist, dass der Fuchs zwar fast alle erwachsenen Hühner getötet hat und sich sogar an 2 frisch geborenen gütlich getan hat, die toten Tiere aber einfach liegen gelassen wurden. Vielleicht hat es der Hahn doch irgendwie geschafft, den Eindringling zu verscheuchen...

Wie man sich jetzt vielleicht denkt, bestand mein Arbeitstag daraus, aus einem Hühnerstall ein Anti-Fuchs-Fort zu bauen. Dies bewerkstelligten Dean und ich (mit ein wenig Unterstützung von Charlie) mit viel Draht, etwas Holz und noch viel mehr Draht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Jedes noch so kleine Loch wurde geflickt, die Ecken des Forts befestigt, die Tür verstärkt und die vorhandenen Leichen mit Rattengift präpariert und in der Nähe des Stalls verteilt (kein Scheiß!).

Ansonsten bin ich heute zu ersten Mal auf einem Ride-on-Mower gefahren, was ganz cool war!

Abgesehen von der Arbeit habe ich den Tag für Sport, hängen und braun werden genutzt, da dies seit ca 1 Woche wieder ein schöner, sonniger, warmer Tag war (schade, Georg, dass du jetzt wieder eingesperrt bist).

Dieses Bild ist übrigens gestern entstanden, als wir unsere übersetzten Führerscheine in Adelaide abgeholt haben. Wir dürfen jetzt legal auf australischen Straßen fahren!!

Um mich herum fangen die Possums an, in den Wänden unruhig zu werden und soeben ist ein Skorpion an meinen nackten Füßen vorbeigekrabbelt - ich wusste gar nicht, dass es hier Skorpione gibt! - das ist doch ein guter Start, in den Rest des Abends! Mal sehen, was ich noch so tun werde. *hust*glotzen*hust*



Woche III, Tag II - Sonntag, 15.12.13


3. Advent! Juhu, es ist nicht mehr weit bis Weihnachten!
Heute habe ich endlich mal wieder bis 11h schlafen können, endlich war wieder so lange im Bett liegen, wie es mir beliebt, angesagt.
Dabei hilft mir ein Trick, den mir mein Opa verraten hat: werde ich wach und merke, auf welcher Seite ich aufgewacht bin, drehe ich mich einfach auf die andere Seite, schließe die Augen und - schwupp! - ich schlafe wieder! Funktioniert wirklich.

Den Rest des (Vor)Mittags habe ich dann genutzt, nach ca einer Woche wieder Kontakt nach Hause aufzunehmen. Ich habe beschlossen bis auf Weiteres auf WhatsApp zu verzichten, da mich das von daheim bekannte ständig parat sein doch nach 3 Monaten gestört hat. Nicht, weil ich keine Lust auf Kontakt zu den Menschen, die zu Hause sind, habe, nein!! Ich finde bloß, dass es keinen Sinn macht, ans andere Ende der Welt zu reisen, um dort ein Stück weit zu sich selbst zu finden, dann aber 24/7 erreichbar zu sein, für Menschen, die in einer komplett anderen Zeitzone und nebenbei noch 15000km weit entfernt sitzen.
So habe ich ein paar Stunden damit verbracht lange Texte zu schreiben, diese dann zu verschicken und noch mehr an andere Leute zu schreiben. Ich bin gespannt, wann die ersten Antworten eintreffen, wann man Zeit und Lust findet, meine Romane zu beantworten.

Der nächste Schritt wäre es dann, komplett auf die elektronischen Kommunikationswege zu verzichten und nur noch Briefe und Postkarten (und natürlich diesen Blog) zu schreiben, aber da bin ich etwas am zweifeln, ob das nötig ist oder ich dann doch ein bisschen übertreibe. Ich glaube eher letzteres.

Dieser Sonntag war wieder ein Spül- und Waschtag, alles, was vorher schmutzig war, ist nun wieder rein, duftet und glänzt. Die Wäsche hat zwar zwei Durchläufe gebraucht, um den Mock der letzten Arbeitswoche aus den Fasern zu bekommen, aber solange wir nicht dafür bezahlen müssen, ist das ja in Ordnung. Ab Donnerstag wird das dann wieder anders aussehen...

Außerdem habe ich heute mit einem Projekt angefangen, welches sich am besten wie folgt beschreiben lässt: "sollteleonlangeweilehabensetztersichsofernesgehtanwikipediaundliestinteressantesachendiemanwissensollteundwirddadurchschlau"

Oder so...

Naja ich habe damit auf jeden Fall heute angefangen und auch ein paar Sachen gelernt! Ich bin stolz darauf, wie erwachsen und reif ich doch bin. *mhm*

Den Abend verbrachte ich dann, man ahnt es schon, dem oben genannten Projekt entgegenwirkend: ich guckte meine Lieblingsserien und verblödete bei Truckern, die ihren Truck 'Sally' in meterhohe, nicht inszenierte (! nein kein Stück! Überhaupt nicht! Nehe!) Matschhaufen fuhren und dann irgendwie versuchen mussten, aus dem Schlam(m)assel wieder herauszukommen, damit die Lieferung nicht noch eine Woche Verspätung bekommt, oder amerikanischen Knasties, die nach und nach einen Rassenkrieg in einem Gefängnis irgendwo mitten in den USA los traten. Hört sich doch ganz gut an oder?

Zum Glück wird dies der letzte Sonntag in hoffentlich einer langen Zeit sein, der so verläuft! 

So long, Bitches!



Woche III, Tag III - Montag, 16.12.13 - ENDE


Kurze Vorwarnung: Georg ist soeben wiedergekehrt und hat zur Feier seiner wiedererlangten Freiheit ein paar 0.75l Fläschchen Bier mitgebracht. Ich bin sowieso kein großer Trinker und nach 6 Wochen ohne Alkohol und trotz 20:30 noch 20 Grad knallt das schon ein wenig. 

Naja, wie auch immer. Der Tag ging heute ganz gut rum, ich habe anstatt auf dem Felde zu stehen die meiste Zeit der 5 Stunden damit verbracht, die zahlreichen Rosen auf der Farm zu stutzen (auf englisch heißt dies "to deadhead" und hört sich recht brutal an finde ich). Jetzt habe ich auch die Kunst des deadheadens gelernt und kann, sobald ich wieder daheim bin, noch tatkräftiger im Garten helfen. Skill fürs Leben +1!

Der restliche Tag ging überraschend flott vorüber. So schaffte ich es, die Wäsche zu falten, mir etwas zu Mittag zu kochen, ein paar Sachen im Internet nachzuschlagen und das war es auch. Ohne dass ich mich groß gelangweilt hätte. Wicked

Beim Abendessen mit der Familie wurden die weiteren Reisepläne meines Kumpans und meiner Wenigkeit erörtert und noch einmal betont, wie gefährlich es doch in Australien mit den Waldbränden und der Hitze ist und dass jedes Jahr viele Touris aus Europa im Outback verdursten usw usw. 
Schorschi und ich müssen halt aufpassen, ne?

Ansonsten hat heute der An/Aus-Knopf meines Handys den Geist aufgegeben. Coole Sache! Jetzt kann ich diesen nicht mehr benutzen und bin gespannt, wie ich das Handy einschalten soll, sollte ihm mal der Saft ausgehen (passiert öfters).

Den Abend werden wir zwei Hübschen nun in feierlaune verbringen, da Georgs Facebookzölibat nun um ist, er wieder so viel Kaffee und Alkohol trinken darf, wie im beliebt, und er schlafen kann, wann und wie lange er es gerne hätte. Ach, und die Autokasse ist nun im +1500$-Modus. Auch ganz erfreulich.

Dies ist das Ende dieses kleinen Tagebuches. War gut gewesen. Für mich jedenfalls.

(:

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