Running Late in Adelaide

So nun sind wir also mal wieder urban.

 Allerdings nicht großstadtjungelurban, sondern mehr so heylassmalsonntagsdielädenschließenurban, was auf uns nach den Erfahrungen in der Weltstadt Melbourne tatsächlich verstörende Wirkung hat.
Schön ist allerdings, dass hier, obwohl wir uns in der fünftgrößten Stadt des Landes, welche über eine Millionen Menschen ansammelt, befinden, alles relevante fußläufig zu erreichen ist.
Der CBD ist nämlich, verglichen mit dem riesigen Suburbteppich, winzig.
Selbst der Grüngürtel, der Stadtkern und Suburbistan von einander trennt, hat mehr Fläche als der Bereich, den ein Tourist "Adelaide" nennen würde.
Eine Fahrt mit der O-Bahn (man steigt in einen Bus und plötzlich, wenn man den CBD verlässt, fährt dieser auf einer Art Gleisbett für Reifen und heizt mit 80km/h - Fuck Yeah) durch eben so eine Unterstadt hinterlässt bei uns Europäern skurrile Eindrücke.
Visuelle Darstellung einer Hauptstraße:

HäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuser
HäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuser
|Tanke|Subway|Mäcces|Baumarkt|Supermarkt|KFC|Tanke|Supermarkt|Mäcces|Bestatter|Baumarkt|

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Matratzenladen|Bäcker|Supermarkt|Blumenladen|Pizzahut|Autohaus|Bottleshop|Autohaus|Subway|
HäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuser
HäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuserHäuser

So ungefähr erstreckt es sich Kilometer lang. Wenn ich in so einer Gegend leben müsste, hätte ich auch ganz unwillkürlich den Skatepunk erfunden.

Botanischer Garten: Name unbekannt

Jedenfalls besuchten wir schon den Zoo - sehr erquickend, Tiere halt - und den Botanischen Garten, welchen ich äußerst gern nochmal zum auf der Wiese liegen, chillen und picknicken (no homo!) aufsuchen würde. Den Strand, von dem wir nur medium Gutes hörten, haben wir uns bis dato gespart und auch in die von Weinfeldern gesäumten Adelaide Hills drangen wir noch nicht vor.

Rätsel: Was sehen wir hier?

Die meiste Zeit verbringen wir also mal wieder im Hostel. Hier gilt die Umstellung:

Great Ocean Road - Reizüberflutung  → Shakespeare Backpackers - Reisüberflutung

Weltgrundnahrungsmittel Nummer 1 wird nämlich gratis zur Verfügung gestellt, sodass, wenn wir nicht mal Kartoffeln oder Nudeln schnorren, unsere Mähler zu 50-90% aus Reis bestehen. 
Dies ist aber nicht der einzige Grund dafür, dass unser Lebensrythmus gerade in etwa so dynamisch ist wie ein Chinese Man Track. Vordergründig brauchen wir wohl einfach eine Pause. 
Außerdem gibt es hier kein Frühstück, weshalb es nicht juckt wann wir aufstehen. 
Des Weiteren animiert so ein Hostel einfach dazu herrlich zu hängen, wobei in unserem 10er-Zimmer ein subtiler Klassenkampf entbrannt ist, da die Menschen mit Anstellung früh raus müssen und dem entsprechend gezwungen sind um 21:30 das Licht zu löschen, während der arbeitslose Pöbel (including us) um 12pm frühstückt und bis 1am am Laptop hängt: Jobsuche, Facebook, 9gag, Musik, Blog. Ein Zimitbewohner guckt mit Sicherheit pro Tag minimum zehn Stunden lang Filme.

Achja wir haben wieder 24/7 Internet wohoooo! 

Dennoch vertreiben wir uns die Zeit auch mit unendlicher Freude über den Einkauf von banalen Dingen wie Erdnussbutter, Saft, Gebäck etc, sowie Gesellschaftsspielen und vorwiegend deutsch oder angloitalienischen Gesprächen mit anderen Reiselustigen im Gemeinschaftsraum: 
Viele Sofas, dicker Flatscreen, desolate Küche im Anschluss.


PS der Fernseher ist angekettet. 

Halloween gehört nicht zu unseren Aktivitäten, worin wir uns nicht vom Durchschnittsaussi zu unterscheiden scheinen. Das geht hier ungefähr so wie Daheim über die Bühne, den Konsum anheizen, ihr wisst.

So besuchten wir erst im November einen Pub um in der Happy Hour ein paar Guinnes zu schlürfen und unternahmen tagsdarauf eine Radtour zum Strand.
Die Fahrräder kann man sich hier einfach so für lau von der Stadt leihen, einfach so. Dafür waren sie zwar auch in einem ähnlichem Zustand wie meins Zause, hat sich mein Training also gelohnt, und erzeugten ein wunderschön ruhiges Freiheitsgefühl. 


#yolovormdom #safetyfirst

"Jo ich fahre gerade halbnackt auf einem klapprigen Damenrad durch Australien...was geht ab." 
Endlich waren wir auch mal im Meer, da uns die Sonne nun konstant über 25 C beschert, wodurch allerdings direkt ein Waldbrand begünstigt wurde, dessen Rauchschwaden wir über einem der Adelaide Hills bestaunten.

Die Zeit vergeht schnell und zwischen dem Warten auf Antworten und dem Schöpfen neuer Ideen haben wir echt eine gute Zeit. Wenn man einen Job sucht, ist das Hostelleben eben schon ein Dauerwechselbad der Gefühle: Spannung - Unbeschwertheit - Freude über das Beisammensein - Hass - Kreativmindfuck - Hänger - Geiz - Genuss - Unbeschwertheit...

Zittriger Händedruck ♥

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