SURPRISE SURPRISE !!

Nun sind wir doch tatsächlich auf einer Farm angekommen, ganz plötzlich. Naja vielleicht doch nicht ganz so plötzlich, denn unser Eintreffen hier stand bereits mehrere Tage vorher fest. Doch wir wollten nicht spoilern, da wir absolut keine Ahnung hatten wies hier so sein würde. Also hielten wir dicht und sind jetzt umso glücklicher von diesem Ort hier berichten zu können. 


Doch erstmal der Weg zur Farm:

Nachdem wir fast zwei Wochen damit verbrachten auf dutzenden Pages nach einer Anlaufstelle zu suchen, mussten wir feststellen, dass dies herzlich wenig brachte. Also spielten wir einen unserer Trümphe aus und legten uns den Führer, also ein Buch (Anmerkung nur für die deutschen Leser) einer Organisation namens WWOOF ( = Willing Workers On Organic Farms) zu. In diesem sind ca. 2400 Adressen von organischen Farmen aufgelistet, welche Menschen für 4-6h Arbeit am Tag beherbergen und bekochen halt mit allem Drum und Dran. Somit hat man zum Einen keine Ausgaben in der Zeit, in der man an einem dieser Höfe verweilt und zum Anderen recht milde Arbeitszeiten. Ein noch viel wichtigerer Punkt ist allerdings, dass man so tatsächlich ein Leben hat. Man wird nicht einfach obstflückend, flyerverteilend, putzend, melkend verheitzt, sondern hat viel Freizeit und fängt an zu Örtlichkeit und Familie eine Bindung aufzubauen.

Nach dem makieren unserer Favoriten wurde angerufen oder gemailt. Nach ungefähr einer halben Stunde bekamen wir den ersten Rückruf. Gerade als ich sagte: „Ach Fuck wir kriegen wieder keine Antwort.“ , begann mein Handy zu surren. Lustig, Gott. Es war diese Farm, welche anrief:

„ „Hidden Farm“ 20 acre bush block on Riddells Creek where an old school house is used occaisionally for stays, folk/jazz concerts & horse training facility. We grow veg, fruit & poultry for home use, make and sell quirky garden objects from scap steel & occaisionally train horses. Musicians, artists, writers, meditators are most welcome. Work includes gen garden maint, building, landscaping, wood cutting etc. Accom. For 2 people in cozy shed with db. Shared mix meals No children. Longer stays preferred after initial 3-5 days.“


Also packten wir nach einer Nacht im Flinders Backpackers unsren Krempel, stiegen in die Bahn und fuhren nach Gisborne, wo wir von einem Ende 50er Ehepaar aufgegriffen wurden. Nach ein paar Minuten Fahrt waren wir auch schon da. Ein segelartiges Metallkonstrukt begrüßte uns, weitere säumten unseren Weg bei einem ersten Rundgang, sowie ein fabelhafter Rundumblick. Schließlich bezogen wir unsere Behausung, ein altes renoviertes Schulhaus. Ich schlafe auf einer Empore auf einer riesigen Matratze mit Lattenrost auf dem Boden, teile mein Reich mit einem Schreibtisch an einem großen Fenster, welches mich durch einen Baum die Ebene überschauen lässt, mit einem großen Bücherregal, einer Couch und etwas Gerümpel – ergo perfekt - . König Leonidas hat ein eigenes Zimmer. Da direkt hinterm Haus ein kleiner Teich ist, hört man den ganzen Abend beruhigende Froschbalz. Als wir das Haupthaus betraten, wurden wir stürmich von zwei Hunden begrüßt: Einem trainierten Pudel und einem mindergroßen Wasweißich Katzentöterköter, beide sehr zutraulich und liebesdurstig, sodass selbst ich als Katzen- und Katervertrauter ziemlich hingerissen bin. An Leon allerdings haben sie einen riesigen Narren gefressen. Anschließend Dinner.


Achja das Essen ist auch so ein Punkt. Nachdem wir uns zwei Wochen lang zwar nicth schlecht aber doch recht beschränkt ernährten, leben wir nun vergleichsweise in El Dorado. Wir haben das Recht alles im Haus zu essen, was wir finden, wann wir wollen. Abends dann werden wir immer bekocht entweder gut bürgerlich oder asiatisch + Nachtisch. Wir sind sehr sehr froh, dass wir nicht bei einer Veganer- oder Antialkoholikerfamilie gelandet sind. Achja bester Kaffee seit zwei Wochen.
Nun aber zu unseren Hosts. Wie man in der Anzeige ließt, handelt es sich um sehr kunstaffine Gesellen. Er: Gefeierter Pferdedresseur, auch in Deutschland, Metallobjektbauer; Sie: Malerin, Sängerin, Seelsorgerin; Die erwachsenen, ausgezogenen Söhne: Musiker (Death Metal). Des Weiteren kennen sie haufenweise Menschen seien es Opernsänger, Photographen, Journalisten, Tänzer oder Schauspieler, welche sie regelmäßig zu Parties einladen, denn diese Farm soll ein Austausch und Rückzugsort für Künstler sein bzw. noch weiter werden. Beide sind sehr bereist, meditieren viel und trinken viel schwarzen Tee mit Milch.


Was tun wir also hier? Erstmal arbeiten wir 4-5 Stunden pro Tag und bekommen eben oben genanntes dafür zur Verfügung gestellt. Diese Arbeit ist tatsächlich erstmal ein Propunkt, da wir eben jenes Farmleben hier nach Monaten der Paukerei erfahren wollten. Unsere Freizeit ist ziemlich besinnlich. Ich schreibe, Leon rennt rum, macht Fotos, wir lesen viel, hören viel Musik, gönnen uns Schlaf und erlaben uns an jenem zumindest für mich so lange ausgebliebenen Feierabendgefühl, welches nach 2 Stunden Lateinnachhilfe geben, sei das Kind auch noch so vercheckt, nicht vergleichbar eintritt.


Ihr seht, uns geht’s gut und wir schieben nen Ruhigen. 



Tideliho!



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