Reisetagebuch - Great Ocean Road [Bilderupdate Sonderausgabe]

Tag 1

Dienstag, 22.10.13

Wie begann der Tag? Früh.
Um fünf Uhr morgens hieß es für uns beide „Raus aus den Federn, rein in die Klamotten, Packen zackzack!“. Zumindest sagten uns das unsere deutschen Gene, mit denen uns Pünktlichkeit und Organisation schon von Geburt an eingepflanzt sind.

So um 05:45 mit allem fertig, begann für uns das letzte Mal unser Frühstück auf der Hidden Farm. Nicht ganz klar, wie ich mich fühlte, – auf der einen Seite traurig, dass diese wirklich gute Zeit nun vorbei war, auf der anderen Seite äußerst gespannt, da es nun endlich weiter gehen sollte – schmierte ich mir ein paar Brote, noch bevor unsere liebgewonnenen Farm Hosts Richard und Sally ein Auge auftaten. Nach diesem doch sehr gemütlichen und ausgedehnten Mahl standen wir um 07:00 an Sallys Auto, da diese uns großzügigerweise nach Melbourne fahren würde, und verabschiedeten uns von Richard. Mit vielen Glücks- und Segenswünschen im Gepäck saßen wir dann ca eine Stunde im Auto, bevor Sally sich von uns verabschiedete und zu ihrer Arbeit fuhr.

So waren wir also wieder in Melbourne, dem Start unserer Reise angekommen. Komisch, wie sich in den 3 Wochen, die wir auf der Hidden Farm verbrachten, nichts verändert hatte, wo ich mich doch so verändert fühlte. Endlich angekommen in diesem Land der giftigen Tiere.

Denis Wester verlässt die Hidden Farm mit einem Knall

Wir setzten uns an den Federation Square, einen großen Platz, recht zentral gelegen, mit motherfcking free WiFi!!! und warteten auf Georgs Vater und Bruder, die einen Tag zuvor hier angekommen waren und mit denen wir uns nun auf machen würden, Richtung Adelaide, über die Great Ocean Road.

Ein kurzes Hallo, ein bisschen Catch-Up, was in den letzten Wochen so passiert war, und schon ging es Richtung Autovermietung. Nach ein bisschen Gelaber mit der Avis-Angestellten, die es doch geschickt geschafft hat, uns ein größeres (und dadurch glaube ich auch teureres) Auto aufzuschwatzen, wurde unser Gepäck, dass nun mit 2 großen Koffern, 2 großen und 2 kleinen Rucksäcken doch gewaltige Ausmaße annahm, im geräumigen Holden soundso verstaut. Alle 3 Gläsers und 1 Fotograf rein in die Karre und ab die Post!

Allerdings zuerst nicht Richtung Torquay, dem offiziellen Startpunkt der Great Ocean Road, sondern 150km ins Landesinnere, nach Ballarat (auf ein neues!), um dort wichtige Papiere, wie unsere TFNs (ohne die man nicht bezahlt in Oz arbeiten kann) und unsere australischen Master Cards, abzuholen.

Nachdem dies erledigt war, machten wir uns dann endlich auf auf, auf die GOR. Diese war bereits vor 3 Jahren während unseres Schulaustausches teil des Programms, weswegen es für Georg und mich zeitweise sehr bizarr war, die Orte und Gegenden wiederzusehen, sich wieder an sie zu erinnern, nachdem man einiges vergessen hatte.

Das Wetter war leider heute nicht so wunderbar, dennoch auf seine eigene Weise in Verbindung mit dem verwunschenen Wald des Otway National Parks schön anzusehen.


Nach mehreren kleinen Stops an Streckenabschnitten, die uns stop-wert erschienen, erreichten wir Lorne, einen Ort, an dem wir auch vor 3 Jahren rasteten, und das Ende unserer ersten Etappe. Es war eigentlich schon klar, bevor wir Lorne überhaupt betreten hatten, dass wir in der selben Jugendherberge nächtigen würden, wie zuvor auf unserem Austausch.


Zeiten ändern sich...




...Zeiten ändern dich. #bushidobestermann


















Sobald wir unsere Sachen auf unser Zimmer unter dem Dach einer kleinen Holzhütte gebracht hatten (Zimmerzugang nur über eine Leiter gegeben), begaben wir uns noch auf einen Spaziergang entlang des Strandes und der Promenade Lornes.


Danach gab es Abendessen (oh fuck, nach 3 Wochen Premiumessen ist es wirklich schwer, sich wieder auf YumYum umzustellen!) und nun sitze ich hier und schreibe, während die drei Gläsers friedlich vor sich hinratzen.


See ya!



Tag 2

23.10.13

Früh aufgestanden, um mit einer Freundin zu skypen, begann mein Tag doch sehr verschlafen. Nachdem dann ein paar Stunden später auch die 3 Gläser aufgewacht waren, machten wir uns Frühstück, bestehend aus Toast, Butter und 'PJ'.
Kaffee gab es endlich wieder in Instant Form. Nachdem wir auf der Hidden Farm 3 Wochen lang Espresso wie Kaffee getrunken haben, war dieser allerdings sogar zu ertragen.

Um Punkt 10:00 standen wir an der Rezeption, mit Bettzeug unterm Arm, um auszuchecken. Vom freundlichen Mitarbeiter hinter dem Tresen bekamen wir einen Tipp, dass der Wasserfall (von dessen Existenz niemand von uns vieren wusste) nach dem starken Regen der letzten Nacht wohl noch spektakulärer wäre, als sonst schon, und dass sich ein Ausflug auf jeden Fall lohnen würde!

Also fackelten wir nicht lange und machten uns directement auf den Weg zu den Erskine Falls. Die Straße führte uns durch den Otway National Park, zu einer kleinen Einfahrt, an der wir in der Hoffnung parkten, den Wasserfall bald zu Fuß erreichen zu können. Weit gefehlt!
Nach einem steilen Abstieg ins Tal des Falles und gefühlt 4km Marsch standen wir dann allerdings am Ziel und ich muss sagen, es war die Strapazen wert!



Nicht ganz so schön war der Weg zurück zum Auto, den wir alle mehr oder weniger verschwitzt beendeten. Danach ging es dann back to the ocean road und Richtung Adelaide.
Wieder auf der Küstenstraße angekommen machten wir öfter mal halt, um uns vielversprechend aussehende Flecken Erde anzuschauen. Darunter waren auch ein Stop im hipsterstestesten und abgelegenstestesten Café, dass ich bisher zu sehen bekommen habe, und ein Besuch der Koala Cove Bay, wo wir zum ersten Mal auf unserer Reise echte Koalas in freier Wildbahn bewundern durften.

So schon mit dem Gefühl in der Brust, dass dieser Tag ein guter war, hielten wir nach ein paar weiteren Kilometern in Apollo Bay, einem etwas verschlafenen und charmvollen Dörfchen direkt an der Küste. Dort lieferten wir unser Gepäck in einem sehr verranzten, aber gemütlichen Backpackers Hostel ab und machten uns auf, die Umgebung von Apollo Bay etwas zu erkunden.

Zuerst statteten wir dem Strand einen Besuch ab, später setzten wir uns ins Auto, mit Destination Cape Otway, einem der südlichsten Punkte Australiens.
Auf dem Weg dorthin machten wir bei "Maits Rest" halt (welch Ironie) und spazierten ein wenig im Urwald herum – ein sehr beeindruckendes Erlebnis für uns alle, da wir an teilweise knapp 100 Meter hohen Bäumen vorbei kamen und uns in einer Jurassic Park ähnlichen Welt wiederfanden.





Nach diesem Stop ging es immer tiefer in den Otway National Park hinein, wir kamen an äußerst bizarren Warnschildern vorbei, fuhren durch Abschnitte toten Waldes und fanden uns schließlich auf einer Ebene wieder, auf der eine mindestens 100 köpfige Känguruherde ihr Lager aufgeschlagen hatte!


Nicht weit von diesem Ort, saßen Koalas zu Hauf in den Bäumen, teilweise so nah über dem Boden, dass wir sie hätten anfassen können.
Da man dies aber nicht tut, haben wir es sein gelassen und uns damit begnügt, Fotos Fotos Fotos zu machen!



Nach diesen Einblicken erster Güte in das australische Wildlife konnte uns das Cape Otway selber kaum noch beeindrucken, auch deswegen, weil zu der Uhrzeit, an der wir dort ankamen, der Leuchtturm (die Attraktion dort) schon geschlossen war.



Wie es ein Kap nunmal so an sich hat, konnten wir nicht mehr weiter Richtung Süden fahren, also blieb uns nichts anderes übrig, als den Nachhauseweg einzuschlagen. Wieder im Backpackers angekommen, machten wir uns über das dort kostenlos zur Verfügung gestellte WiFi her. Internet ist in Australien ein rares und langsames Gut, deswegen saßen wir dort einige Stunden im Aufenthaltsraum, um alles erledigen zu können, das wir uns vorgenommen hatten.

Danach ging es dann ins Bett.



Tag 3

24.10.13

Nach einer kurzen Nacht für mich, ging es um 08:00 aus dem Bett, duschen, frühstücken, noch einmal kurz das kostenlose Internet schnorren. Dann schnell die Sachen gepackt und ab ins Auto. Georg und sein Vater hatten noch ein paar Bankgeschäfte zu erledigen, in etwa deutsche Euronen in australische Talers umzutauschen und diese dann auf ein australisches Bankkonto zu überweisen, um den bösen Auslandsüberweisungskosten zu entkommen.
Nachdem dies getan war, ging es auf die GOR zurück und erst einmal eine Stunde durch den tiefsten Urwald, das letzte, was wir vom Great Otway sehen sollten.
Als dieser dann hinter uns lag, befand sich vor uns eine weite Ebene, von kleinen Hügeln durchzogen, die allesamt mit der Art Gestrüpp bewachsen waren, das man von Küstenlandschaften kennt. Zu unserer Linken begleitete uns ab diesem Punkt eine Steilküste und damit war auch der Ozean immer im Blick.



Unser erster Halt in dieser atemberaubenden Landschaft war bei den Twelve Apostels, einer Steinformation im Meer direkt vor den Klippen. Diese Twelve Apostels waren 12 Säulen aus Stein, die vor Jahren durch den steten Seegang vom Festland abgeschliffen wurden. „Waren“, da es inzwischen nur noch 11 sind, einer der Apostel ist 2005 eingestürzt und stellt nun einen Haufen Geröll kurz vor einem Sandstrand dar.

Einer der Apostel
Nicht weit von dieser wohl bekanntesten Attraktion der Great Ocean Road befinden sich Thunder Cave und Broken Head. Thunder Cave, eine vom Meer in den Kalksandstein der Küste eingeschliffene Bucht inklusive namensgebender Höhle, Broken Head ein Küstenabschnitt umgeben von tosenden und meterhohen Wellen. Wie der aufmerksame Leser merkt, ist dieser Abschnitt der GOR ein Beweis für die Naturgewalten, die in Australien toben. Man kann davon ausgehen, dass es jedes mal, wenn man diese Orte besucht, anders aussehen wird, da immer wieder neue Stücke der Küste nach dem Motto „der stete Tropfen höhlt den Stein“ in die unter ihr liegenden Fluten stürzen werden.


In der Mitte zu sehen, die "London Bridge"
Vollkommen überfordert von diesem reizüberflutenden Abschnitt, waren wir doch recht froh, dass die folgenden Stunden der Road eher unspektakulär waren und mehr durch das umliegende Inland führten, durch Viehweiden, kleine Dörfer und Wälder, vorbei an einer großen Käserei.

Der nächste Stop war nach Warrnambool, einer der größeren Städte auf der Route und dennoch ein relativ abgefuckter Ort, mehr im Verfall, als sonst irgendwas,
der sogenannte Tower Hill; ein für australische Verhältnisse kleiner Park, welcher ein paar Berge und Hügel, Seen und Wiesen fasst. Dieser Park befindet sich in einer Senke, die aussieht, als wäre sie durch starke Erdbeben oder Erdplattenverschiebung entstanden.
In dieser großen Grube fanden wir ein paar Wanderwege und weitere wildlebende Kängurus. Robert, komplett verzückt, steckte uns nach kurzem Zögern mit seinem Enthusiasmus an und wir schlichen uns langsam aber sicher an die friedlich grasenden Tiere heran, ich natürlich mit meiner Kamera bewaffnet.
Als wir uns dann bemerkbar machten, waren die Roos sichtlich unbeeindruckt und begannen nach kurzer Beobachtungsphase wieder damit, uns zu ignorieren und weiter zu grasen.
Nicht viel später hatte ich genug Bilder im Kasten, Georg und Ulrich genug und so zerrten wir Robert wieder zurück zum Auto, da wir doch noch irgendwo ankommen wollten, heute Abend.

Unser Ziel für diesen Abend war Port Fairy und der Weg dorthin wieder von Kuhwiesen ohne Ende gesäumt. Auf der Fahrt ist nichts erwähnenswertes mehr passiert.

Die zwei bis drei Straßen Port Fairy's waren schnell mit dem Auto durchquert und schon standen wir vor unserer Unterkunft für diese Nacht, der EMOH YHA. Viel vom Emo-Flair haben wir allerdings nicht mitbekommen, keine überemotionalen Spackos in den Ecken sitzen und sich ritzen sehen. Stattdessen begrüßte uns ein Hostelbesitzer mit Wurzeln in der Türkei, endlich jemand, den man ohne Probleme verstehen konnte. Der Aussieslang ist doch etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem, je weiter man aufs Land fährt.
Von diesem Herrn bekamen wir dann auch direkt den Tip, uns nach dem Ankommen auf jeden Fall noch die kleine Insel in der Nähe anzuschauen. Diese sei über eine Brücke zu erreichen und innerhalb einer Stunde locker zu umrunden.
Da wir heute noch nicht genug von der australischen Natur hatten, folgten wir diesem Ratschlag direkt und pfiffen erst einmal auf unsere knurrenden Mägen.
Diese Entscheidung sollten wir nicht bereuen! Vorbei an Vogelleichen und einem süßen Leuchtturm, direkt neben Wallabes stehen, nochmal das Meer von nah betrachten.
Auf dieser Insel, der „Shearwater Colony“, habe ich dann den Entschluss gefasst, am nächsten Morgen bzw noch mitten in der Nacht um 04:00 aufzustehen. Alles für ein Foto vom Sonnenaufgang über dem Meer.


Die Tour um die Insel hinter uns und ein riesen Loch im Bauch eines jeden, machten wir uns in Port Fairy auf die Jagd nach etwas Essbarem. Viel stand zur Auswahl und irgendwann war dann die Entscheidung gefasst, wir würden Steak essen.
Wir hatten ein wunderbares Abendessen mit so viel Salat und Beilagen, wie uns lieb war, zusätzlich zu unseren spottbilligen aber dennoch exquisiten Stücken Fleisch.

Mit meiner Fotoidee im Kopf und dem vom Steak im Bauch ausgelösten Fresskoma, gehe ich jetzt mal früh ins Bett.

Adios!



Tag 4

25.10.13

Wie bereits erwähnt, der Tag begann für mich sehr früh. Allerdings nicht nur für mich, Robert hatte sich dazu entschlossen, sich mir anzuschließen. So machten wir uns gemeinsam auf den Weg durch die Nacht. An der Insel angekommen, war ich doch recht froh, einen Kompagnon an meiner Seite zu wissen. Auf der tagsüber nämlich beschaulichen und ruhigen Insel, war nachts die Hölle los. Wir wurden von Vogelschreien a la Horrorfilm begrüßt, konnten allerdings keine Quelle dieser Laute ausmachen, da dunkel. Als wir dann um eine Wegecke bogen, saßen ohne Vorwarnung locker 20 der Vögel auf dem Trampelpfad, deren Artgenossen wir am Vortag in totem Zustand am Wegesrand liegen sahen. So die Augen geöffnet, konnten wir auch im dichten Flechtgestrüpp der Insel weitere Exemplare der Kreischvögel ausmachen und fühlten uns doch sehr unwohl, was wohl auch daran lag, dass wir prompt von einem Vogel, wohl dem gestörtesten von allen, angegriffen wurden. Ein Hoch auf die Tatsache, dass Robert sich noch auf dem Weg zur Insel einen Stock aufgesammelt hatte, um diesen als „Wanderstock“ zu benutzen. Dieser wurde nun kurz zwecks Vogelabwehr missbraucht, wonach wir allerdings keine Probleme mehr mit den Inselbewohnern hatten.
Nach diesem ersten Schock merkten wir dann sehr schnell, dass die Vögeln nichts weiter als dumme, fette, hässliche und vor allem nutzbefreite Federtiere, die sich gerne in den Weg stellen, waren. Diese Tatsache zwang Robert, der vor mir ging, da er die Ansicht teilt, dass der hinten-gehende immer zu erst stirbt (vor allem nachts und in freier Natur), mit seinem Stock den Vogeltreiber zu spielen. In dieser Rolle trieben wir dann eine Herde dieser Tiere vor uns her, bis wir endlich an den Strand gelangten, wo sich nach und nach der Haufen zerstreute und wir wieder unsere Ruhe hatten.
Zu diesem Zeitpunkt war es noch sehr dunkel und es herrschte noch Flut, ein Faktor, den ich in meiner Genialität ganz verdrängt hatte, und langsam kamen Zweifel an meiner Idee in mir auf.
Kurze Zeit später merkten wir dann allerdings, dass das Wasser im Begriff war, sich zurück zu ziehen, und so stieg auch wieder mein Mut.

Nach ca einer Stunde Fotografieren, war dann DAS Bild im Kasten und ich schätzte mich sehr glücklich. Es hatte sich gelohnt, so früh aus den Federn zu steigen.


Achtung: Highlight!

Als wir zurück im Hostelzimmer waren, wachten Georg und Ulrich gerade auf und so machten wir uns bald Frühstück, um so schnell wie möglich wieder zu starten!
Das folgende Stück Autofahrt verbrachte ich damit, die Bilder von heute morgen zu bearbeiten, was sich als nicht ganz so einfach herausstellte. In einem fahrenden Auto mit seinem kleinen Netbook zu sitzen, während die Sonne direkt auf den Bildschirm strahlt ist keine gute Kombo, um ungestört ein wenig an seinen Bildern zu schnitzen. Dennoch ist es mir nach einer Stunde geglückt und dann war es eigentlich auch schon Zeit für unseren ersten Stop, Seal Cove.


Ausblick von der Klippe
Seal Cove ist ein Küstenabschnitt, auf dem sich zum einen die höchste Klippe Victorias befindet (135 Meter) und sich andererseits unterhalb dieser Robben im Wasser tummeln. Der Aufstieg gestaltete sich als weniger gemütlich, da natürlich mit perfektem Timing das Wetter von sonnig auf regnerisch/stürmisch umschlagen musste und wir so ordentlich durchgepeitscht wurden.
Ein wenig für Erheiterung sorgten jedoch 4 Schwalben, die uns eifrig umschwärmten und nicht locker ließen, egal wie stark der Wind auch war.
Mit unseren vier Begleitern erreichten wir dann erst den höchsten Punkt der Klippen und etwas danach den Aussichtspunkt, von welchem man die Robben sehen konnte. Entweder sind wir auf maßlose Übertreibungen hereingefallen oder es war einfach ein schlechter Tag für Robben, auf jeden Fall konnten wir nur 3 im Wasser ausmachen, die übrigen 597 der versprochenen 600 war keine Spur zu sehen.
Es benötigte nicht viel Zeit, dann hatten wir uns an den Tieren ergötzt, also ging es an den Abstieg. Dieser war auf eine andere Art und Weise unangenehm, denn jetzt knallte die Sonne volles Rohr aus dem Himmel, kein Windgang und tausende Fliegen sahen auf einmal ihre höchste Freude darin, uns zu plagen was das Zeug hielt. Vor allem die australischen Fliegen scheinen diese Disziplin zur Meisterschaft gebracht zu haben, es wird keine Rücksicht auf Nasen-, Ohren-, Augeneingänge genommen.

Trotz dieser Plagen war ich nachher sehr froh, diesen Weg gegangen zu sein, da es zum einen sehr schön dort oben auf den Klippen war, zum anderen hat es mich ein wenig an den West Highland Way erinnert, den ich dieses Jahr im Sommer bereits gewandert bin und mit dem ich gute Erinnerungen verbinde.

Etwas später passierten wir heute die Grenze von Victoria nach South Australia. Während in Deutschland der Grenzübergang von Bundesland zu Bundesland keinen Unterschied macht, ist dieser Vorgang in Australien doch etwas spannender. Nicht nur, dass wir auf einmal eine Zeitumstellung erlebten (von +9 auf +8 ½ Stunden), die Landschaft veränderte sich auch dramatisch. Aus dem abwechslungsreichen mal Wiese mal Wald mal Küste mal Berge Victorias wurde zuerst eine weite Wüste aus zum Abbau angepflanzten Bäumen, die wir bestimmt 1 ½ Stunden durchquerten, danach lag vor uns eine Steppenlandschaft soweit das Auge reichte.



Da dieses allumfassende Nichts jeden von uns fertig machte, beschlossen wir, es wäre Zeit für einen Kaffee, für neue Energien, für neuen Schwung! Nur wo bekommt man einen Kaffee, wenn man mitten im Nirgendwo ist? Man muss wohl oder übel warten, bis das nächste Straßenschild auftaucht und einem sagt, wie weit man vom nächsten Ort noch entfernt ist.
Besagtes Schild erschien nach einiger Zeit dann auch und sagte uns, Kingston wäre wohl unser Heil. Zumindest, sollten wir die nächsten 100Km noch überstehen.

Was wir nicht wussten: Genau heute schien in Kingston die Jahresversammlung aller Red Devils Südaustraliens zu sein. Diese hatten das einzige Restaurant/Motel im Ort besetzt, saßen drinnen, standen draußen vor der Tür und sahen dabei äußerst grimmig und nach hartekerle aus. Ich denke, es ist verständlich, dass uns nicht der Sinn danach stand, zwischen der zweiten internationalen Liga der Biker unseren Kaffee zu schlürfen. Also suchten wir auf den verlassenen Straßen Kingstons nach einem weiteren Café, eine nicht so einfache Aufgabe, wie sich herausstellte. Jedoch gelang es uns nach mehrmaligem Falschabbiegen, einigen Wutanfällen und sich langsam breitmachender Verzweiflung, einen kleinen Laden, der sich als Metzgerei und Fischerei verkleidet hatte, ausfindig zu machen und dort 4 Flat Whites zu bestellen.

Mit frischer Energie und neuem Mut ging es nun daran, den Ort für die Nacht zu finden, Port Elliot. Die Aufgabe des Scouts und Kartenlesers übernahm Robert und ich muss gestehen, dass ich nach zwei Stunden durch die Prärie fahren dann doch ein wenig Zweifel bekam, ob wir heute noch dort ankommen sollten, aber es stellte sich heraus, dass diese Sorgen unbegründet waren.

Das Hostel befindet sich direkt am Meer und ist in ein altes Strandhaus gebaut, von außen wie von innen sehr schön anzusehen.
Die Dame an der Empfangstheke, 45+, begann dann auch noch mit mir zu flirten, der Abend war also gerettet.

Einzig negativer Punkt am Hostel: das Wlan war grottig. Eigentlich wollte ich mir Musik für die am nächsten Tag anstehende letzte Fahrt herunterladen, Bilder hoch laden und sonst noch ein wenig Zeit im Netz verbringen, allerdings verging mir schnell die Lust daran, als es erst eine Stunde gedauert hat, bis ich mit dem Netzwerk verbunden war und dann jede Internetseite mindestens 2 Minuten Ladezeit brauchte.

Nun ja, jetzt geht es ins Bett



Tag 5

26.10.13

Heute bin ich das erste Mal auf dieser Reise nach mehr als 5 Stunden Schlaf aufgewacht, um genau zu sein, waren es sogar 8!!

Frühstück wurde zu sich genommen, das Zimmer wie immer geräumt und dann ging es zur Abwechslung mal nicht direkt ins Auto, sondern, da wir gestern Abend keine Zeit mehr hatten, etwas von Port Elliot zu sehen, erst einmal an den Strand.



So einen beeindruckenden Strand habe ich selten gesehen! Ich wollte gar nicht mehr weg und wäre am liebsten noch ein paar Tage in dem Ort geblieben, einfach um aufs Meer zu schauen. Meterhohe Wellen, die direkt vor einem gegen die Felsen branden, haben anscheinend eine besondere Wirkung auf mich und schlagen mich in den Bann.



Da wir allerdings noch etwas zu erreichen hatten heute, musste ich mich irgendwann doch losreißen und ins Auto steigen. Vorher rief ich aber noch bei meiner Familie an, die in Adelaide wohnt: Großonkel und -tante, beide noch nie gesehen, allerdings schon einiges von gehört. Mit den beiden wollten wir uns heute treffen und ein wenig Quatschen, was Adelaide und Arbeit und Unterkunft angeht.

Es war okay, dass wir heute dort aufschlagen sollten, also machten wir uns auf nach Valley View, einem Suburb von Adelaide.
Auf dem Weg dorthin wurden wir vom Navi einmal komplett durch die Stadt geführt. Zumindest sag es auf der Karte so aus, da wir uns doch eher wie in einem Vorstadtindustriegebiet fühlten. Langsam aber sicher stieg die Erkenntnis in uns auf, dass Adelaide nicht mit Melbourne oder Sydney zu vergleichen ist, sondern eher ein Millionendorf zu sein scheint.

Bei den Brandls angekommen, erzählten wir ein wenig von den letzten Tagen und Wochen, machten aus, dass wir uns bald wieder sehen würden und steckten noch ein paar Tipps ein, zusätzlich zu einem Kaffee und ein paar Keksen.

Nun wollten wir noch schnell den Mietwagen wieder bei Avis abgeben und dann in ein nahgelegenes Hostel einchecken und so den Great Ocean Trip beenden. Problem: Avis hatte zu. So wie fast alles andere hier in Adelaide, es war ja Samstag und schon nach 16h. Millionendorf.

Also parkten wir das Auto in einem Parkhaus (Parkplätze gibt es hier nicht) und berieten bei einem Burger von Hungry Jack's (TM), welches der verschiedenen Hostels wir uns denn nun aussuchen sollten.

Wir entschieden uns für das Shakespeare's, luden dort unser Gepäck ab und machten uns auf die Suche nach einer Bar, um dort mit einem Bier das Ende der Reise zu begießen.

Später am Abend saßen Robert, Georg und ich noch am Internet, während Ulrich schlief und das war es dann auch.


Jetzt sind die Swagpacker in Adelaide

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